Meine HET – Hormonersatztherapie

Hormonersatztherapie

Hallo ihr Lieben,

heute mag ich euch einfach mal von meiner HRT oder zu deutsch HET berichten. Offiziell bin ich jetzt seit 22 Monaten in der Hormonersatztherapie – das heisst, ich nehme gegengeschlechtliche Hormone, sowie ein Mittel um meine körpereigenen zu unterdrücken (namentlich Testosteron). Inoffiziell könnten es eventuell schon ein Paar Tage mehr sein, aber das ist etwas was ich im Nachhinein doch eher nicht weiterempfehlen würde.

Wie funktioniert das Ganze und was musste ich dafür tun?

Tja…zuerst einmal musste ich mir sicher sein, das ich DAS auch will und mir über meinen weiteren Weg im klaren sein. Dazu zählte psychologische Betreuung und auch ein gesundheitlicher Check-Up beim Endokrinologen. Will ich wirklich als Frau leben? Bin ich mir über die aus der Behandlung resultierende Sterilität im klaren? Weiß ich über den mir von der Umwelt entgegengebrachten Druck bescheid?
Das alles waren natürlich Themen mit denen es sich auseinanderzusetzen galt – nicht, dass ich das nicht schon längst getan hatte.
Schließlich hatte ich völlig auf meine Gesundheit gepfiffen und meine HRT bereits im Alleingang in Angriff genommen. Was natürlich doch mit gewissen Risiken verbunden war, da Hormone doch einen ziemlichen Eingriff in die Körperchemie darstellen und nur unter Aufsicht eingenommen werden sollten. Zugegeben – mir wars damals egal. 🙂

Wie dem auch sei, bin ich nach einem ziemlichen Irrweg doch irgendwann bei meiner jetzigen Psychotherapeutin untergekommen und konnte dann auch kurzfristig offiziell in meine HRT starten. Eine Indikationsstellung war bei meinem Auftreten eine reine Formsache, auch wenn sich der Endo erst einmal etwas quergestellt hatte. Aber ein zweites Schreiben meiner Psychologin hat dann schnell zum gewünschten Ziel geführt.

Medikamentös eingestellt bin ich derzeit bei 2x2mg Estradiol morgens, 10mg Androcur morgens, 1 Hub Gynokadin Gel 18 Uhr sowie ein Hub um 23 Uhr – ich weiß, dass das eine seltsame Kombination ist, aber mit Gel allein habe ich überhaupt keine Veränderung gemerkt und Tabletten allein, fürchte ich, gehen zu sehr auf die Leber. So kombiniere ich halt und erfreue mich der Vorzüge beider Darreichungsformen.
Dies soll keine Medikamentionsempfehlung sein – ich teile euch wirklich nur MEINE Medikamention informationshalber mit.

Ja – Beginn der HRT – das ist jetzt schon eine ganze Weile her und ich bin glücklich und enttäuscht zugleich über alles was bisher mit meinem Körper passiert ist. Ich weiß, das Hormone kein Spielzeug und KEIN Zaubermittel sind und man schon Geduld mitbringen muss. Die echte Pubertät dauert ja schließlich auch nicht nur ein halbes Jahr.
Apropo Pubertät…DAS ist eine Sache die ich aber sowas von hundert Prozent bestätigen kann. Die Transition und die Hormone zusammen sind WIRKLICH wie eine zweite Pubertät!
Man entdeckt sich völlig neu, probiert sich aus und greift auch mal modisch und stylistisch so richtig daneben. Man stellt wirklich ALLES bisherige in Frage und wird quasi ein völlig neuer Mensch – ok, das mag jetzt übertrieben sein, aber die alten antrainierten Mauern fallen. Man wird offener und beginnt mehr zu sich selbst zu stehen und zu sein WIE man eigentlich schon immer sein wollte und es dank der Konditionierung niemals war.
Die Gefühlswelt schlägt bei mir Purzelbäume – immer noch! Es heisst anfangs könnte es zu emotionalen Achterbahnfahrten kommen….oder auch nicht. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass in der Hinsicht gelogen wird…meine Gefühle fahren nicht Achterbahn…die fahren HYPERCOASTER! Nennt meinen Gefühlscortex „Schwur von Kärnan„! Das kommt der Sache dann so langsam näher ^^
Ich war zwar immer schon eher emotional…aber jetzt bin ich nicht NAH am Wasser gebaut, ich steh MITTEN drin! Ich kann inzwischen nicht mal mehr einen Katherine Heigl Film gucken OHNE groß das Flennen anzufangen. Die alten Disney-Schinken? No Chance! 😉
Aber ich bin glücklich. Ich fühle! Ich fühl mich nicht länger stumpf und eingeschränkt. Gefühle zu LEBEN ist fabelhaft. Ich kann mich viel mehr über die kleinen Dinge des Lebens freuen.
Die Kehrseite ist, dass ich eben auch genauso schnell in ein tiefes Loch fallen kann. Im einen Moment himmelhoch jauchzend und im nächsten zu Tode betrübt – aber so ist das nun einmal.

Und was hat sich körperlich getan?

Eine ganze MENGE! Zunächst einmal habe ich abgenommen – fast 10 Kilo ohne Änderung meiner Essgewohnheiten – genaugenommen waren es sogar 15, aber ein kleines bisschen habe ich wieder zugelegt. Das ist aber auch gut so, da ich drauf und dran war etwas dürre z werden, was aber auch sehr gut an meinen Lebensumständen von vor einem Jahr gelegen haben kann. Stress schlaucht ja bekanntlich…
Also ich habe Gewicht verloren UND Muskelmasse. Ich bin soooo schwach geworden. Inzwischen verstehe ich alle Frauen „kannst du mal das Sofa dahin schieben? Trägst du mir die Kiste Cola hoch?“ Ich BIN genau so geworden ^^ aber so gefällts mir auch. Optisch sowieso.
Die Fettverteilung hat sich tatsächlich etwas geändert. Mein Gesicht ist „etwas“ weicher geworden, die Kurven etwas runder – auch wenn ich immer noch keinen Arsch in der Hose habe, aber das werde ich anatomisch wohl auch nie erwarten können.
Die Brüste haben sehr früh zu „spriessen“ begonnen aber dann aber ein weiteres Wachstum nach einem guten Jahr verweigert und sind bei einem kleinen A hängen geblieben (wobei hängen geblieben in DEM Fall eventuell etwas unschön formuliert ist ^^ ). Das hatte mich doch ziemlich gewurmt, aber da konnte ich ja glücklicherweise anderweitig Abhilfe schaffen…
Die Haare sind noch einmal ein Thema für sich – die Körperbehaarung ist leichter und etwas heller geworden, auch wenn eine Rasur zu Weilen noch immer nötig ist.
Auf mein Haupthaar bin ich inzwischen richtig stolz. Früher habe ich meine Haare und die Naturwelle verflucht – jetzt liebe ich meine Locken! Ausserdem sind meine Geheimratsecken quasi verschwunden. Eine OP zum Hairline-Lowering ist bei mir definitiv überflüssig.
Ansonsten ist meine Haut sehr viel reiner geworden, die Poren sind kleiner geworden und ich trockne aus wie eine Gurke in der Wüste ^^ Vor allem an den Gelenken merke ich extrem wie trocken meine ehemals vor Fett triefende Haut geworden ist. Aber dafür darf ich ja jetzt ohne schlechtes Gewissen aus einem schier unendlichen Fundus an Körperlotionen auswählen…. 😀

Wie wirkt sich das Zeug auf die Libido aus?

Ich höre und lese ja immer wieder, das Androcur ursprünglich zur chemischen Kastration von Triebtätern eingesetzt wurde – joa….nun…also genau das Richtige für uns Transfrauen 😀
Viele Stimmen behaupten ja, da unten würde sich durch die HRT ja nix mehr tun…nun diese Stimmen sollten besser schweigen ^^ das eine ist die Funktion und das andere die Akzeptanz des Zeugs was da unten rumbaumelt.
Ich habe es bisher als ehemals ganz nettes Accessoire für hin und wieder doch ganz schöne Stunden betrachtet OHNE jetzt einen vernichtenden Selbsthass auf das Teil zu verspüren – allerdings merke ich in letzter Zeit doch deutlich die Diskrepanz zwischen IST und SOLLTE.
Was an der Funktion natürlich nicht viel ändert. Funktionieren tut „Er“ noch…bei entsprechendem Stimulus …und DAS ist wohl DER springende Punkt!
Meine Erregungskurve hat sich durch die HRT aber sowas von drastisch verändert. Während ich früher buchstäblich dauergeil durch die Gegend gelaufen bin, so bin ich heute viel, viel entspannter. Um an dieser Stelle einmal die Worte von jemand anders zu verwenden: Meine Erregung hat sich von einem männlichen muss, muSS, MUSS! zu einem weiblicheren kann verschoben. Und das ist im Alltag sehr viel angenehmer, wenn man nicht mehr Opfer seiner Triebe ist.
Was nicht heissen soll, dass ich keine Erregung mehr verspüren würde…nur eben anders und unter anderen Umständen.
Achja…und bevor ich es vergesse: Die ChroMoPila hällt glücklicherweise ebenfalls seit Beginn der HRT Winterschlaf 😀
Und sollte es doch einmal passieren, das da was passiert…so haben die Testoblocker ihr Werk verrichtet.

Was bleibt mir an dieser Stelle also noch zu sagen, außer das ich glücklich bin?
Lasst es mich wissen, falls ihr irgendwelche fragen habt.

LG,
eure Mila

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Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

4 Kommentare

  1. Wie eigentlich alles, sehr informativ und teilweise auch unterhaltsam geschrieben. Ich habe auch schon Eigenexperimente hinter mir und bin froh, dass meine Diagnose bereits von meinem Psychiater und meiner Psychotherapeutin gestellt und der Termin beim Endokrinologen ist für Ende August geplant. Ich hoffe das alles gut geht und ich dann endlich starten kann. Langsam wird es echt Zeit, schließlich werde ich ja nicht jünger. Vielleicht sollte ich noch erwähnen das ich zu den Frauen gehöre die ihr Teil wirklich hassen und ich bin wirklich froh wenn es irgendwann weg ist. Was nicht heißen soll, dass ich keinen Spaß am Sex habe. Ganz im Gegenteil, ich mag es nur nicht beim Sex als Mann herhalten zu müssen.

  2. Pingback:Becoming Mila – Teil 3 – Ärztemarathon | Milas-Bunte-Welt 2.0

  3. Christin-Michelle Fremgen

    Hi Mila
    schön geschrieben. Ich kann vieles bestätigen was Du schreibst, auch wenn ich kein Androcur nehme und nur mit GEL arbeite aber ich glaube eh dass Hormone sehr individuell sind.
    Lg Christin-Michelle

    • Ja…da hast du sicher recht. Ich hatte damals mit Tabletten angefangen und bin dann auf Wunsch meines Endo auf Gel umgestiegen, aber damit hatte ich das Gefühl das sich garnichts mehr tut bzw. sogar wieder zurückentwickelt. In diesem Sinne bin ich dann auf die Kombination gekommen und fühle mich damit wohl.
      Das Androcur ist natürlich so eine Sache – es hat ja einen entschieden schlechten Ruf. Leider habe ich keine Ahnung wie meine Werte OHNE wären, aber zumindest habe ich bisher keine der üblicherweise damit in Verbindung gebrachten Nebenwirkungen.

      LG,
      Mila

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