Meine Reha in Aukrug – eine Retrospektive

Hallo meine lieben Flauschies,

Ich habe einen Lauf. Ich bin (wieder) in Schreiblaune. Die letzten Wochen waren sehr hart und wenn ich ehrlich bin, dann waren es auch die letzten Monate oder gar Jahre. Doch die letzten 5 Wochen während meiner Reha haben mich verändert – zum positiven wie ich hoffe. Es ist leider viel liegen geblieben, was ich jetzt schnellstmöglich aufarbeite. Rezensionen, Testberichte und Persönliches. Ich arbeite daran…endlich wieder mit Freude. Ich mache meinen Blog auf und freue mich regelrecht darauf mir etwas von den Fingern zu tippen. Wenn ich es richtig mache, dann merkt ihr das auch. Dann lest ihr gerne was ich schreibe…

Schon das letzte halbe Jahr dachte ich eigentlich, dass es mir wieder besser ginge, doch das war nur Selbstbetrug. Ich hatte getan, was ich immer tue – meine Gefühle eingemauert und ganz weit weg gesperrt. Persönliche Entwicklung? Fehlanzeige. Das war..IST…sicherlich einer der Gründe für meine Psychischen Störungen, die mich letztes Jahr angefangen haben heimzusuchen.

Warum war ich also in Aukrug?

Zunächst einmal wollte ich dort eigentlich gar nicht hin. Zum einen wurde ich von meiner Krankenkasse mehr oder weniger dazu genötigt und zeitgleich wurde mir meine Wunschumschulung vor Reha verwehrt. Was blieb mir also schon groß übrig? In diesem Sinne beantragte ich also über ein mir von der KV zugeschicktes Formblatt eine Maßnahme zur Rehabilitation…und sollte fast 3 Monate bis zur Antwort durch die Deutsche Rentenversicherung warten. Zwischenzeitlich zog ich von Neumünster nach Stade und hatte noch keine Ahnung wo ich eigentlich meine Reha wurde absitzen müssen – umso ironischer war dann die mir zugeteilte Klinik. Aukrug. 15 Autominuten von Neumünster entfernt bzw. 10 Minuten von meinem alten Wohlfühlnest entfernt. Der eigentliche Termin sowie eine persönliche Einladung sollten mir dann zeitnah durch die Klinik mitgeteilt werden…

Ich war not amused. Ich hatte die Gegend gerade verlassen und wollte nicht schon wieder dahin zurück. Die Klinik spannte mich auch echt auf die Folter was den Termin anging. Nichts konnte ich mehr so richtig planen und als auch noch ein Herzinfarkt meine Mitbewohnerin fast dahin gerafft hätte, war das nichts mehr mit innerer Ruhe. Witzig – am ersten Tag ihrer Reha bekam ich endlich MEINE Einladung. Schön, dass wir vorher noch rumgeplant hatten, ob ich wegen der Kleinen irgendwie hätte mitkommen können, das aber wegen meiner Reha dann doch verworfen hatten. Tja…es hätte geklappt, aber so war ich drei Wochen auf mich allein gestellt. Frisch umgezogen und Opfer meiner Ängste bis es dann endlich auch für mich losgehen sollte.

12.12.2016 – 16.01.2017

Das war die Zeit, die ich in Aukrug einsitzen sollte – 5 ganze Wochen! Und das ausgerechnet über Weihnachten und Neujahr. Hurra! Ich konnte mir nichts schöneres vorstellen…und ich begann mal wieder Panik zu schieben. Der Termin rückte immer näher und mein stoisches Wesen erlebte am Vorabend aber so richtig einen Knacks. Ich glaube so viel Panik habe ich das letzte Jahr nicht gehabt… Doch erstaunlicher Weise begann ich mich auch auf die Reha zu freuen. Ich meine, ich weiß ja, dass ich beschädigt bin…vielleicht würde mir die Reha ja sogar mal ganz gut tun…

Ich bin ein Schisser hoch drei geworden. Ich hatte Panik. Ein anderes Wort dafür habe ich nicht. Ich hatte mir die schlimmsten Dinge ausgemalt – dass ich 5 Wochen einsam und allein im Nirgendwo auf meinem Zimmer hocken würde, umgeben von Verrückten oder Schwerstinvaliden. Meine Sozialphobie ist so richtig aufgeblüht und ich habe ihr alle Nahrung gegeben.

Ich habe Angst unter Menschen zu gehen – unter FREMDE Menschen zu gehen und mich unterhalten zu müssen. Angefangen bei meiner Stimme, die ich nicht die Bohne leiden mag und die mich in jeder Situation sofort entlarvt. Weiterhin müsste ich mich bei einem Gespräch, fremden Menschen gegenüber, offenbaren – in so vielen Dingen, dass ich nicht wüsste über was ich mich mit jemandem überhaupt unterhalten sollte. Früher oder später kommt doch jedes Gespräch auf folgende Themen: „Warum bist du hier?“, „Was machst du beruflich?“, „Wie lang bist du schon krank?“ und wenn jemand ganz besonders unhöflich ist „Bist du´n Kerl?“

Ja, ich neige dazu mir das Leben selber schwer zu machen und in diesem Fall ganz besonders. Ich gehe immer vom „Worst Case“ aus. Denn was sollte ich auf die eben genannten Fragen antworten? Das würde mein Innerstes nach Außen kehren. Ich würde mich mit einer Antwort selbst zerstören – zumindest hat es sich so angefühlt.

Die Anreise

Gestaltete sich dann auch extrem Nervenaufreibend für mich. Die vorherige Nacht habe ich natürlich mal wieder kein Auge zu bekommen, weil sich die Gedanken im Kreis drehten. Welch Glück, dass sich meine Mitbewohnerin und ihr Freund bereit erklärt, oder viel mehr aufgedrängt, hatten und mich mit dem Auto nach Aukrug zu bringen. Mit dem Zug wäre ich wahrscheinlich vorher ausgestiegen… Um 10 Uhr war mein Anreisetermin, weswegen wir auch zeitig losgefahren waren – die A7 ist ja dieser Tage eine der weniger schönen Strecken gen Norden (Elbtunnel und Fahrbahnverbreiterung auf Höhe Schnelsen sind einfach zu viel des Guten). Trotz einer guten 3/4 Stunde Stop and Go sind wir halbwegs pünktlich angekommen und sind erst einmal direkt an der Klinik vorbei gefahren, das sich das Navi dort im Nirgendwo nicht zurechtgefunden hat…yey.

Doch so kam es, dass ich ziemlich genau so gegen 10 Uhr im Foyer der Klinik stand und von dem bienenstockartigen Gewimmel erst einmal wie hypnotisiert war. Einen kurzen Moment und eine Anmeldung später machte ich mich dann mit meinem Schlüssel bewaffnet auf die Suche nach meinem Zimmer – 107 – Erdgeschoss. Das klang doch schon mal super und war auch gar nicht so schwer zu finden, wie zuerst befürchtet. Allerdings habe ich mich mit dem Türschloss erst einmal ziemlich dämlich angestellt bis ich darauf gekommen bin, wo ich den RFID an die Tür halten, damit das Ding auch auf geht. Was soll ich sagen, da war ich nun…in meiner Bleibe für die nächsten 5 Wochen

Ich hätte es schlimmer treffen können. Immerhin hatte ich keine Bettwanzen und Kakerlaken im Zimmer. Ich denke, das war doch schon einmal viel wert, oder? Das Bett war ok, aber kein Highlight. Die Gummi-Anti-Einpischer-Matratze war furchtbar und ich habe nur geschwitzt und den Fernseher haben die so geschickt platziert, dass man aus dem bett nur die Hälfte sehen kann und der Rest hinterm Kleiderschrank verschwindet…aber was jammere ich. Ich hab es ja überlebt. Das Bad war ganz ok, auch wenn ich mich ohne Schlappen nicht unter die Dusche getraut hätte, aber der große Badspiegel mit LED Beleuchtug hatte es mir echt angetan. Licht im Bad ist schon eine dolle Sache…ja, Licht in MEINEM Zimmer wär auch ne dolle Sache.

Aber viel mit lamentieren und auspacken war nicht, denn kaum das ich angekommen war, musste ich schon los zum „Mittelpunkt“ und mich quasi „Briefen“ lassen – von dort wurde ich dann auch gleich zur ärztlichen Eingangsuntersuchung geschickt. Hier wurde ich gewogen und nach meinem Befinden gefragt. Gefahr zur Selbstverletzung? Beschwerden? Gesundheit? Ja verdammte Hacke, sonst wäre ich ja nicht da – Angstzustände, Panik und meine Sozialphobie.

Der Rest des Tages galt jetzt erst einmal dem Ankommen…dem zur Ruhe kommen und das hatte ich bitter nötig, so denn mein Adrenalinspiegel wohl die Skala gesprengt hätte. Am Abend gab es noch eine kleine Führung durch das Gebäude – das auf den Neuankömmling aber auch wirklich labyrinthisch wirkt.

Die Anwendungen

Bei den für mich vorgesehenen Anwendungen war alles dabei was das depressive Herz erfreut – von Sport bis Mord…pardon, das ging irgendwie anders. Ja also der Therapieplan sah auf jeden Fall sowohl Sport als auch mentales Training vor. Dazu zählten unter anderem Gruppensport, Muckibude und Schwimmbad (das berühmte Nudeln) als dann auf der anderen Seite Dinge wie Gruppentherapie, Einzelgespräche oder Ergotherapie (eine Art „Stressbasteln“ wenn man so will). Weiterhin gab es noch ganz famose Sitzungen wie Qui-Gong oder das berühmte Entspannungstraining (wobei das Autogene Training noch ganz ok war, aber die progressive Muskelentspannung ist ja mal sowas von Mumpitz). Mein ganz besonderes Steckenpferd war dann ja Nordic Walking – für den Käse habe ich so überhaupt nichts übrig. Schon gar nicht, wenn mir der Trainer dann auch seine Meinung zu meiner person ganz unverhohlen vor die Nase hält – aber immerhin habe ich während meiner ersten und einzigen Stunde die Babsi kennen gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Das Programm hatte leider für meinen Geschmack sehr viele Pausenzeiten, denn nicht nur einmal lagen zwischen zwei Anwendungen gerne mal 3 oder mehr Stunden Wartezeit. Ich hätte meinen Tag gerne kompakter gehabt. Wie immer ist es so, dass solche Veranstaltungen mit den Therapeuten stehen und Fallen und schon nach kurzer Zeit hatte man raus bei wem man was mit macht, oder besser ausfallen lässt.

Was ich leider unverständlich finde und tatsächlich überhaupt erst am Abreisetag erfahren habe ist, dass es tatsächlich richtige Seminare zum Thema Angstbewältigung gab – jetzt frage ich mich WARUM IN DREITEUFELSNAMEN ich davon keines mitgemacht habe. Ich habe am Anreisetag explizit auf meine Angstzustände hingewiesen – aber gut, dass ich jede Woche erneut Nordic Walking im Plan stehen hatte, obwohl ich das immer habe streichen lassen. Das ist mir unbegreiflich…aber gut, dass ich jetzt danke der bernsteinbehangenen Kampfveganerin jetzt weiß, das quasi mein gesamter Kücheninhalt Müll ist (Sarksm intended)…

Die Ergotherapie…die hat mir Spaß gemacht, auch wenn ich mich erst darauf einlassen musste, emotional und vong Geschick her. Ich male halt wie ein Vorschulkind…is halt so. Dann ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, dass die Aufgaben die einem da gestellt werden Trigger sind. Jede Aufgabe soll irgend etwas auslösen…und das vor anderen menschen. Genau meins…aber ich habe mich darauf eingelassen und das war gar nicht schlecht. Ähnliches gilt auch für die Gruppentherapie – sich vor anderen seelisch auszuziehen ist ja gar nicht meins – jedenfalls nicht so, dass man mir dabei ins Auge sehen kann. Der Blog hier zählt nicht…mm hmmm

Das Essen

Drei Mahlzeiten am Tag – soweit so gut. Ich hatte das blaue Schlüsselband und somit normale Vollkost, trotzdem habe ich mich nicht nur einmal beschissen gefühlt. Mir ist durchaus bewusst, dass es sich bei einer Reha nicht um  3Sterne Vollpansion handelt, dennoch war die Qualität der Speisen….schwankend. Sag ich es mal so. Aber das alleine war es auch nicht…das ganze Drumherum stimmte nicht. Die ganze Konzeption der Essensausgabe war unausgegoren. Das Frühstück ohne Säfte ein Witz. Ach was…genau genommen gab es ja nie Saft. Wasser…Wasser und Zitronensaftkonzentrat. DAS war die Getränkeauswahl…yey -.-

Mittags gab es immer die warme Speise des Tages, am Vortag per Kreuzchen am Aushang zu wählen. Meist in Ordnung, doch gelegentlich auch echt ekelhaft – besonders die Tage an den denen es Fisch gab hatte ich zu fürchten gelernt, denn die haben die armen Flossenträger in Dill ertränkt. Dill den ich so sehr liebe….nicht.

Dazu war das ganze Küchenpersonal erschreckend unfreundlich. Ich meine ich bin da in einer Klinik wegen Depressionen. Da sollte man meinen, dass das Personal etwas im Umgang mit angeschlagenen Menschen geschult wäre – nichts da. Da wird geblökt und gezickt – in einem Ausmaß, das eigentlich eine offizielle Beschwerde direkt bei der RV verdient hätte…doch ich bin resigniert und vermute, dass sich eh nix ändern würde….das Los des Alters..

Meine Mitmenschen

Waren bzw. sind der Grund weshalb ich die Reha überhaupt als Erfolg ansehe. Ich habe meine kleine Clique gefunden. Wunderbare Menschen. Alle auf ihre Art und Weise vom Leben beschädigt. Sie haben mir Demut gezeigt, denn nicht nur ich habe Probleme. Die Welt um mich herum existiert auch noch. Aber sehr viel wichtiger als das, haben sie mich als Menschen angenommen. Mich. Mila. Ohne meine Vergangenheit zu bewerten. DAS war der größte Dienst den mir meine Clique erweisen konnte. Mich zu nehmen wie ich bin und mich nicht an den Fehlschlägen meiner Vergangenheit zu messen und zu bewerten, denn DAS tue ich jeden Tag. Und kann mir deshalb manchmal selber nicht mehr ins Gesicht sehen. Ich hatte aufgehört mir selber überhaupt einen Wert beizumessen.

Mit wem Sonst hätte ich sonst hätte ich so viele schöne Tage verbringen sollen, wenn nicht mit euch? Und unvergessen bleiben wird auf immer der Tür-Alarm auf dem Weg zum Speisesaal xD

Dafür Danke ich euch! 

 

 

 

 

Share on Facebook30Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0Print this page
Informativ
Verständlich
Lustig

Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

2 Kommentare

  1. jetzt endlich habe ich eine Möglichkeit gefunden, Dir zu schreiben, liebe Mila! Uns verbindet vielleicht so Einiges, Du bist aber etliche Schritte voraus und nicht alles ist gut gelaufen… Du schreibst sehr empfindsam und sensibel und ich kann mich in Vieles direkt hineinversetzen… Übrigens siehst Du auf vielen Deiner Fotos ausgesprochen natürlich hübsch und sympathisch aus! Den Wunsch nach Veränderungen im Gesicht kann ich mit viel zu großer Nase gut nachvollziehen! Bin gerne bereit, Dir da ab und zu mal was zu spenden, hatte schließlich bislang mehr Glück mit meinem Job als Du…
    Ich wünsche Dir alles Liebe und dass sich Deine Probleme Stück für Stück, eines nach dem anderen lösen werden… Sei einmal herzlich gedrückt von Maneu!

    Frage: Hast Du oben auf Deiner Seite absichtlich „Priese“ geschrieben?

    • Hallo 🙂
      ja die Priese mit IE ist tatsächlich ein versteckter Running Gag mit einer sehr guten Freundin von mir (Deutschlehrerin)…für die meisten ein Rechtschreibfehler, so denn ein Witz zwischen uns, den nur wir verstehen ^^ da ist tatsächlich noch nie jemand drüber gestolpert 😀

      Aber auf jeden Fall vielen Dank für die lieben Worte…so etwas muntert ungeheuer auf!

      LG

Kommentar verfassen