Moin – Rückblick Woche 1

MOIN – Rückblick Woche 1

Hallo meine lieben Leserinnen und Leser,

die erste Woche meiner MOIN Maßnahme ist wie im Fluge vergangen und ich kann kaum fassen, dass schon wieder Wochenende ist. Und wenn ich so auf den Kalender gucke, dann ist das auch nicht irgendein Wochenende, sondern das erste Juni Wochenende – die Zeit rennt. Jetzt ist schon wieder ein halbes Jahr in der Schwebe vergangen. Ein halbes Jahr seit ich voller Elan und Tatendrang aus der Reha in Aukrug zurückgekehrt bin… Und wieder ein halbes Jahr in dem ich nicht das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe…einen Ausbildungsplatz zu finden.

Wie gesagt – meine erste Woche bei MOIN ist um.

Wie immer, habe ich mir Anfangs sehr viele Sorgen gemacht. Wie mögen die Leute sein? Wie werde ich akzeptiert? Was ist von mir gefordert? Aber die Sorgen haben sich glücklicherweise schon nach kürzester Zeit zerschlagen – meine Mithäftlinge sind allesamt sehr nett. Jeder hat seine Geschichte und seinen Grund an der ganzen Geschichte teilzunehmen.

Was passiert also bei MOIN?

MOIN ist ein Evaluierungsprogramm. Wir WERDEN überprüft und BEWERTET. Daran kann man nichts rütteln oder schönreden. Das fühlt sich scheiße an – das ist so. Allerdings wäre es jetzt zu einfach einfach nur auf die Maßnahme zu meckern und nur zu motzen, denn so einfach ist es nicht. Ich verstehe schon den Sinn hinter dem Procedere. Moin soll nicht nur der Rentenversicherung einen Aufschluss darüber geben, zu was wir Rehabilitanten körperlich und eben seelisch in der Lage sind – sondern in erster Linie uns SELBER!

Natürlich will die Rentenversicherung ihr Kapital sichern und keinen blinden Fußamputierten zum Salsatänzer ausbilden. Dafür sichert sich die RV eben durch Programme wie MOIN ab. Jetzt ist es aber so, das viele der Moin Teilnehmer selber noch gar nicht wissen in welche Richtung IHRE Reise eigentlich gehen soll.

Wer Schlußendlich bei MOIN landet hat schon einen gewissen Leidensweg hinter sich, war auf Reha und ist wahrscheinlich seit längerer Zeit zu Hause. DAS zerrt an der Substanz, kann ich euch sagen. Aus eigener Erfahrung habe ich meine Zeit im Exil gebraucht, um wieder zu mir selbst zu finden. Das war während der Depression eben so, aber seit geraumer Zeit fällt mir zu Hause das Dach auf den Kopf. Fakt.

Doch kann ich auch das, was ich mir vorgenommen habe?

Ich bin froh, dass ich einen Plan für mich habe. Ich habe immerhin ein Ziel auf welches ich zuarbeiten kann. Andere hängen da noch mehr in der Schwebe als ich. Wer seinen alten Job nicht mehr ausführen kann, verliert einen großen Teil seines bisherigen Lebens – das kann sowohl positiv, als eben auch negativ sein. Doch jede Neuausrichtung erfordert natürlich ein gewisses Maß an „Fähigkeiten“. Diese können durch die „Erkrankung“ eingeschränkt sein, oder auch einfach schlicht außerhalb des eigenen Erfahrungsschatzes liegen. Manche sind auch einfach nur vergessen und können mit etwas Übung leicht reaktiviert werden.

Bei Moin werden einem diverse Hilfsmittel an die Hand gegeben, um sich selbst und seine Fähigkeiten *wieder* besser einschätzen zu können, denn wer länger aus dem Arbeitsleben raus ist, oder wegen sonstiger „Umstände“, hat oft ein falsches Bild von sich selber.

Ich selber merke zum Beispiel gerade, dass ich unter gnadenloser SelbstUNTERschätzung leide. Aber das ist im Prinzip nichts neues. So war ich eigentlich schon immer…

Der Tagesablauf

Unser Tag beginnt immer mit einer halben bis dreiviertel Stunde COGPACK – das ist eine Software aus der Egotherapie, die ein Sammelsurium verschiedener „Minispielchen“ parat hält, um unsere grauen Zellen zu stimulieren. COGPACK stammt zwar aus grauer Vorzeit – die grafische Gestaltung erinnert mich an meine Jugend und die unzähligen Stunden die ich mit MS-DOS verbracht habe. Auch der Fragenkatalog aus der Rubrik Allgemeinwissen könnte eine Überarbeitung gebrauchen – „Welcher Bundesligaverband war 1988 Meister?“oder „Wer war Parteitagsvorsitzender XY 1989?“………WTF?  Aber davon ab, erfüllt das Programm auch heute noch durchaus seinen Zweck. Es soll die Konzentration fördern und z.B. das Kurzzeitgedächtnis schulen. Manche Aufgaben sind schwerer, manche leichter, aber alles in allem sogar ganz spaßig.

Die eigentlichen „Unterrichtsfächer“

sind eigentlich nicht schlimm…aber haben die blöde Angewohnheit bei mir Erinnerungen zu triggern. Böse Erinnerungen. So killefitzig die Aufgaben bisher auch waren, so gab es zwei oder drei mal Aufgaben, bei denen mir einfach nur wegen der damit verknüpften Erinnerung die Tränen gekommen sind. Lachhaft, ja….und der Selbstwahrnehmung nicht gerade förderlich.

Was machen wir so? Grundfähigkeiten üben auf der einen Seite – Kopfrechnen, Dreisatz, Räumliches Vorstellungsvermögen. Psychospielchen aauf der anderen – „Wie schätzen sie sich ein?“, „Sind sie Kritikfähig?“ oder der großartige „Klassenvortrag“: Was hat sie hergebracht?

DAS hat mich fertig gemacht. Über meine berufliche Situation zu reden mache ich HÖCHST ungern und auch auf eben diesem meinem mir höchst eigenen Blog habe ich es noch nie in klaren Lettern niedergeschrieben, was da wirklich los ist. Ich habe noch nie klipp und klar gesagt, so sieht es aus….und dieses da bei MOIN tun zu müssen, hat mich ganz schön mitgenommen….und fast zwei Tage aus den Latschen gehauen. NEIN! Ich habe noch nicht verarbeitet was vorgefallen ist….

Gestern war dafür ein ganz unterhaltsames Programm – Einführung E-Technik. Werken für Anfänger im Schneckentempo. Aufgabe ist es, eine Eieruhr mit Timer zu bauen – Platine in Form bringen, Brücken setzen, Widerstände und Kondensatoren zu setzen und den Spaß zu verlöten. Es ist schön mal wieder etwas mit den Händen zu machen. Einmal Handwerk immer Handwerk…? Nein, ich habe meinen Plan, aber es ist schön, dass ich immer noch ganz gut mit meinen Flossen umgehen kann.

Ich bin gespannt, was die zweite Woche bringen wird…

 

Ich wünsche euch allen ein schönes Pfingstwochenende

 

 

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Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

2 Kommentare

  1. Liebe Mila, schön, von Deinen neuen Erfahrungen zu hören! Stell ich mir nicht leicht vor, dieser Maßnahme so völlig offen gegenüber zu stehen, vor allem, wenn da manches nicht mehr ganz aktuell erscheint… Ich hoffe nur, dass Dir das Ganze (wie lange soll die Schulung denn dauern?) auch wirklich weiter hilft und Dein Selbstbewusstsein auch etwas stärkt. Vor allem hoffe ich, dass Du neben Deinem Plan A noch zumindest einen Plan B oder C findest, auf den zu ggf. zurück greifen kannst. Ich persönlich glaube übrigens, dass Du nach dem zu urteilen, was Du in den letzten Jahren zielstrebig durchgezogen hast, aber auch hast einstecken müssen, über jede Menge an beruflich wertvoller Qualitäten verfügst. Schreib weiter und sei herzlich gegrüßt!
    Maneu

    • Wochenrückblick 2 wird natürlich folgen. Ich halte euch auf dem Laufenden 🙂 Und vielen Dank für euer ehliches Interesse…DAS tut mir unheimlich gut!

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