Becoming Mila – Teil 5 – The Quest for Boobs

Becoming Mila – Teil 5 – The Quest for Boobs

Hallo meine lieben Flauschies,

Der Titel dieses Artikels mag ein wenig reißerisch klingen…ok…vielleicht auch ein wenig mehr. Was? Wie bitte? Wer hat da hinten gerade Clickbait gerufen? Nix da! Das hier wird ein ernst zu nehmender Artikel über Brüste.

„Brüste! Sie hat Brüste gesagt!“

Brüste. Möppekins. Hupen. Tittööön. Wie man ein so schönes Thema, mit so wenigen Worten ins schmuddelige ziehen kann…aber das ist gar nicht meine Intention. Jedenfalls nicht bei diesem Artikel. Also nicht das andere Artikel von mir schmuddelig wären….argh! Ich schreibe mich schon wieder um Kopf und Kragen.

An dieser Stelle möchte ich mit euch ins beschauliche Jahr 2015 zurückreisen – das Jahr in dem ich zur Frau wurde…  Ok, für diese Formulierung würden mich radikale Transfeministinnen lynchen und vierteilen. Also ins Jahr 2015 zurückreisen – das Jahr in dem nicht nur die Banane gepellt, sondern davor schon ein Monat der Schmerzen „eingeläutet“ wurde…

Meine Brustvergrößerung 2015

Ich weiß nicht, wie das bei euch war, aber jedes Mädchen möchte irgendwann in ihrem Leben schöne Brüste haben. Brüste sind doch in unserer Gesellschaft DAS Zeichen für Weiblichkeit. Die GA ist eine Sache, aber zum deutlichen äußeren Erscheinungsbild und der geschlechtlichen Zuordnung gehören nun einmal Brüste.

Es ist schwer, jemandem zu erklären, wie man sich im falschen Körper fühlt. Der ganze Transweg ist enorm beschwerlich. Wir haben Hürden, Gutachten, Psychologen und Ärzte zu ertragen, um kleckerweise auf unserem Weg voranzukommen. Und dann sind da wir SELBST! Wir müssen mit UNS klar kommen.

Ich erinnere mich noch genau, was das für ein Gefühl war, jeden Morgen aufzustehen und zur Morgenroutine zu schreiten. Sich morgens unter der Dusche oder im Spiegel zu betrachten. Es begann mit einem Gefühl des Unwohlseins, welches im Laufe der Zeit immer stärker wurde. Das Gefühl, dass der Körper einfach nicht stimmt!

Und dann ist da der Neid. Der Neid auf die biologischen Frauen und ihre wohlgeformten Körper. Die schicken Kleider und engen Oberteile. Das Aussehen, welches man selber nicht hat – man sich aber so sehnlich wünscht.

Der erste Schritt auf dem Weg, um daran etwas zu ändern ist die Hormontherapie. Doch das ist ein langwieriges Prozess und nicht bei jeder TS tut sich überhaupt etwas im Brustbereich. Kein Teeniemädchen hat in einem halben Jahr mit ihrem Brustwachstum abgeschlossen, aber für uns ist das eine schier endlos lange Zeit. Wir haben immerhin etliche Jahre aufzuholen. Uns kann es nicht schnell genug gehen. Wir sind ungeduldig.

Bei meinen Anträgen hatte ich allgemein sehr viel Glück beim Sachbearbeiterbingo. Generell ist es so, dass die Krankenkassen sich mit der Brust-OP etwas schwer tun. Viele Kassen versuchen sich durch etliche Formalitäten und Hinhaltetaktiken vor der Kostenübernahme zu drücken. Da werden Unterlagen zum MDK geschickt, oder pro forma erst einmal abgelehnt, weil eine kosmetische OP ja nicht von medizinischer Notwendigkeit wäre.

Das ist auch ein Vorwurf den ich mir selber schon gefallen lassen musste, aber so nicht stehen lassen kann. Denn eine Brust-OP – oder in meinem Fall ein Brust-AUFBAU – ist keine reine Schönheitsoperation, sondern dient überhaupt erst der Herstellung eines ansatzweise weiblichen Körpers und ist für das Selbstempfinden eines gesunden Körpers unabdingbar.

Darauf wird gerne erwidert, dass Frauen mit flacher Brust doch auch Frauen und nicht weniger wert wären…ja, das ist sicher richtig. Die sind aber immer noch BIOLOGISCHE Frauen, an denen alles andere stimmt. Gesicht, Hüfte, Stimme…Fortpflanzung. Wir haben da nicht die große Auswahl. Wir müssen halt ändern was in unserer Macht steht.

Nachdem die Hormone bei mir im Brustbereich zwar zu einer gewissen Überempfindlichkeit der Brustwarzen geführt, aber ansonsten leider ziemlich wenig bewirkt hatten, habe ich angefangen mich mit dem Thema Brustvergrößerung auseinanderzusetzen. Ich habe mich im Bekanntenkreis umgehört und in den entsprechenden Foren recherchiert – und siehe da, in besonderen Fällen übernehmen sogar die Krankenkassen das ganze Prozedere.

  • wenn die Brust nach 2 Jahren Hormontherapie kleiner als ein A Cup ist

In diesem Sinne habe ich mich auf die Suche nach einem Operateur mit gutem Leumund für Transpatienten gemacht und bin dann als erstes bei Dr. Pasel in den Colonaden gelandet – doch diese Praxis habe ich gleich wieder verworfen, als ich telefonisch einen Beratungstermin vereinbaren wollte und mich die Telefondame so richtig dämlich angemacht hat. Der Arzt mag gut sein, der Telefondienst damals war es definitiv nicht…

Meine Nummer 2 auf der Liste war Fr. Dr. Christina Brunner – hier stimmte sofort alles und ich wurde bis zum heutigen Tage höflich, und auch als Kassenpatient nicht abfällig, behandelt.

Ein Infogespräch muss sein

Nach dem ersten telefonischen Kontakt, bekam ich schon 3 Wochen später meinen Beratungstermin. Gott was war ich aufgeregt. So etwas kannte ich ja nur aus dem Fernsehen. Aber Fr. Brunner war super cool und hat sich echt viel Zeit genommen, um mir alles zu erklären. Ich musste mich oben rum frei machen, damit sie sich ein Bild von meiner Statur machen konnte und hat mich dann beraten welche Implantatgröße sie bei mir für sinnvoll erachten würde und welche Risiken bestehen.

Fr. Brunner ist für ihre Operationstechnik – der Dual Plane Methode – bekannt, bei der das Implantat  die oberen 2/3 der des großen Brustmuskels bedeckt. Das untere Drittel liegt unbedeckt vom Brustmuskel im Fettgewebe. Hier wird der untere Teil des großen Brustmuskels durchtrennt, um so die Tasche für das Implantat zu schaffen.

Der Antrag

Im Frühjahr 2015 habe ich einen relativ formlosen Antrag an meine Krankenkasse geschickt, in dem ich die Kostenübernahme für eine Brustvergrößerung bei Fr. Dr. Brunner beantragt hatte. Ehrlicherweise hatte ich mir nicht viele Hoffnungen gemacht und den Antrag eher als eine Art Versuchsbalon gesehen – um so überraschter war ich, als ich schon nach zwei Wochen eine Genehmigung und Kostenübernahme meiner Krankenkasse in Händen hielt…ich glaube ich habe einen Siegestanz auf dem Wohnzimmertisch abgehalten. Noch am selben Nachmittag hatte ich in der Praxis Brunner angerufen und nach dem nächstmöglichen OP Termin gefragt…der allerdings erst in fast 3 Monaten sein sollte. Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend.

Die OP am 21.5.15

Die OP selber sollte stationär in der Asklepios Klinik Rissen stattfinden, in der Fr Brunner mehrere Belegbetten zur Verfügung hat. Das sollte mir Recht sein, so lange mir nicht Dr. Metzger persönlich über den Weg läuft…wer weiß was da so passieren kann. Herrenlose Transe in Narkose? Noch Pre-OP? Da kann man ja mal schnell üben…fällt schon nicht auf…

Ja, ich hab böse Witze gemacht. Und aufgeregt war ich. Schrecklich aufgeregt, da ich vorher noch niemals operiert worden bin und furchtbar Bammel vor der Narkose hatte. In meinem Einladungsschreiben stand, dass ich mich um 9 Uhr auf Station einfinden sollte und die OP sollte gegen Mittag von statten gehen.

ICH war pünktlich um 9 auf Station…nur die Station wusste von nichts. „Nein! Sie haben heute keine OP – kann gar nicht sein!“ Ja sollte ich ohne Grund und nur für eine lauschige Spazierfahrt nach Rissen gekommen sein? Die Vorlage meiner Einladung und ein, zwei Anrufe der Schwester später hat man sich zähneknirschend bei mir entschuldigt…was meinem aufgeregt puckernden Herzen aber nicht viel geholfen hat. Nächster Stresspunkt – man hatte ja nicht mit mir gerechnet und noch überhaupt kein Bett frei/fertig…ob ich nicht noch einmal für eine Stunde ins Cafe‘ gehen könnte? Aber OHNE etwas zu essen und zu trinken! Ich soll ja nüchtern für die OP sein….schön, dass sich mein Fahrer erst einmal ein schönes Frühstückssandwich genehmigt hat….

Zeit ist relativ…das merkt man in solchen Momenten, wenn man auf seinen Gang zum Schafott wartet. Zeit dehnt sich endlos…bis zu dem Zeitpunkt, wenn im Cafe‘ die Durchsage ertönt „Herr Albrecht bitte auf Station!“ *herrlich….*

Natürlich bin ich hektisch aufgesprungen und mit meinem Gepäck wieder durch das halbe Krankenhaus gehastet, nur um sofort vor den Latz geknallt zu kriegen, dass der OP schon fertig und der Transport auf dem Weg ist. Man hat mich nur genommen und in das nächstgelegene Zimmer bugsiert und gesagt, dort soll ich mich schnell ausziehen und ins Krankenhaushemdchen werfen. Das dort allerdings ein Patient im Zimmer lag, war allen Beteiligten in dem Moment irgendwie egal – Du, wer immer du warst – es tut mir leid wie hektisch das da lief ^^. Jedenfalls lag ich keine 5 Minuten später, mit im Schwesternzimmer geparkten Koffer, auf meinen Bett und wurde schon Richtung OP gerollert. Was für eine Hau Ruck Aktion.

Zur OP selber kann ich nicht viel sagen, die habe ich erfreulicherweise verschlafen, aber das Aufwachen war die Hölle…und ich MEINE Hölle. Als ich im Aufwachraum langsam zu mir kam, bestand meine Welt aus Schmerz. Schmerz und Stöhnen. Nicht von mir…ich konnte vor Schmerz keinen Ton raus bringen. Ich war wie gelähmt, da man bei mir offensichtlich eine Y Inzision durchgeführt hatte und mich nach Entnahme der Inneren Organe mit Kohlen auffüllte….oder so ähnlich fühlte es sich zumindest an.

Nachdem ich so etwa 1000 Jahre dem Wehklagen um mich herum gelauscht hatte, konnte ich die Kraft aufbringen einen Arm zu heben und so etwas wie Schmerz zu hauchen…und noch einmal 1000 Jahre später hatte mich tatsächlich jemand erhört.

„Haben sie Schmerzen? Ja wer schon sein will muss auch etwas leiden“

Ich wünschte ich hätte die Kraft gehabt die Augen zu öffnen, oder auch nur etwas zu erwidern…so blieb es nur bei dem Wunsch die blöde Kuh mit dem nächstbesten Defibrilator zu hauen…aber immerhin habe ich ein Schmerzmittel in den Tropf bekommen und dann ging es tatsächlich schon etwas besser, auch wenn der Druck auf der Brust weiterhin unerträglich schien.

Wieder auf dem Zimmer

war ich einfach nur ein matschiges Häuflein elend. Mir war übel. Mir war kalt. Und ich konnte mich nicht bewegen. Ich lag da so in meinem Bett mit einem Essenstablet vor meiner Nase. Es hätte in Afrika stehen können. Meine Arme waren nutzlos wie Bleiklumpen und der über mir hängende Rufknopf verspottete mich hämisch… Erst nachdem ich wieder eine gefühlte Stunde auf dieses Tablett gestarrt hab, kam eine Schwester vorbei, die mir dann die inzwischen kalte Suppe in den Mund löffelte…

Die darauf folgende Nacht war grausam. Man kann nicht liegen, sich nicht bewegen und nicht mal nach der TV Fernbedienung greifen. Echt übel. Zumindest hat man mir am nächsten Morgen beim Frühstück geholfen. Da wurde ich gefüttert, aber anders wäre das nicht gegangen. Zur Visite kam Frau Dr Brunner auch persönlich, um sich von ihrem Werk zu überzeugen, was auch der Moment war, dass ich den ersten eigenen Blick auf meine neu gewonnene Oberweite werfen konnte. Doch auch der Moment sollte von Schmerzen geprägt sein, als mir die Drainagen aus den Achseln gezogen wurden – ich halte viel aus…wirklich, aber ich habe geschrien! Da war das Klammerziehen am Damm später bei der GA Eisessen gegen….

Meine Entlassung

war nach 2 1/2 Tagen Aufenthalt und auch meine Entlassung sollte sich noch Abenteuerlich gestalten. Es war das Pfingstwochenende und niemand konnte mir sagen, ob ich zur Kontrolle das Wochenende über in der Klinik bleiben sollte, oder ob ich noch am Samstag entlassen würde. Auf jeden Fall würde der Flügel in dem ich mich befand über die Feiertage geschlossen und ich müsste umziehen – in den Privatpatiententrakt. M-Kayyyyyy. Also hab ich am Samstag Morgen meine Sachen gepackt, so gut das ohne Arme machbar war und wurde dann zu Fuß durch die halbe Klinik auf die neue Station gescheucht. Jeder Schritt tat weh und gefühlt müssen das 5 Kilometer gewesen sein…bis ich in einem Palast gelandet bin! Die Privatzimmer sind da der HAMMER. Nicht nur dass da moderne Flachbild TVs hängen, sehen die Betten aus wie Betten und nicht wie Krankenhausbetten. Das Bad sah aus wie im Hotel inklusive gefalteter Handtücher und Seifenstück oben drauf. Ja, da hätte man es aushalten können….aber schon nach einer guten Stunde kam eine Schwester und sagte ich würde JETZT entlassen und müsste „sofort“ das Zimmer räumen…äh…frisch operiert? Noch nicht einmal einen privaten Taxiservice kontaktiert, weil keiner irgendetwas wusste und jetzt so hoppalopp?

Endlich zu Hause

Ungefähr drei Stunden später lag ich tatsächlich zu Hause auf dem Sofa. Irgendwie hatte es meine beste Freundin geschafft mich doch noch zeitig abzuholen und unbeschadet nach Hause zu bringen. Jede Bodenwelle war….nett…sag ich mal so rum ^^

Und die erste Aktion zu Hause sollte in einer schönen Dusche bestehen. Die Nähte waren sauber mit Duschpflastern abgeklebt, da sollte es keine Probleme geben. Also habe ich mich so ungeschickt als eben möglich aus meinem Stütz BH geschält und mich das erste Mal im Spiegel betrachtet…

Das war ein unbeschreibliches Gefühl…dem großen Traum endlich so viel näher. Es tat wie Scheiße weh…ich konnte mich nicht bewegen…aber es sah so verdammt gut und richtig aus…

Fazit

Die Brust-OP war nicht so laschie, wie ich gedacht hatte. Im Endeffekt war ich fast 3 Wochen extrem eingeschränkt und erst nach einem halben Jahr wieder halbwegs bei alter Stärke – ihr glaubt nicht bei wie vielen Bewegungen sich der durchtrennte Brustmuskel meckernd zu Wort gemeldet hat.

OP bedingt sind leider auch Nerven in Mitleidenschaft gezogen worden – während die rechte Brust absolut top verheilt und nervlich wohl zu 99% intakt ist, so hat die linke Seite leider etwas gelitten. Das untere Drittel der Brust ist Oberflächlich taub bzw. fühlt sich eingeschlafen an. Das ist jetzt fast drei Jahre später zwar etwas besser geworden, aber nicht mehr so ganz richtig. Das ist aber OK für mich. Ich wusste um die Risiken und ich wurde ausdrücklich gewarnt, dass so etwas möglich ist. Dafür habe ich jetzt aber auch ein ausgesprochen ordentliches 85 C vorzuweisen 🙂

 

OK…dieser Post ist jetzt doch länger geworden. Ich hoffe ihr habt euch trotzdem durchgekämpft 🙂 Anregungen und Kommis sind wie immer gern gesehen.  Bis Bald!

 

 

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Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite,
34 jährige Hobbyfotografin…Möchtegernmodel…und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

2 Kommentare

  1. Liebe Mila,
    Danke für Deine recht bildhafte Beschreibung. Ich weiß jetzt, wo ich nicht operieren lasse. Asklepios scheint sich noch mehr verschlechtert zu haben, die sparen überall. Die OP ist das eine, wenn die Pflegekräfte jedoch keine Zeit (oder Muße ?) haben, kann es richtig heftig werden. Schmerzen müssen nicht sein und blöde Sprüche auch nicht.
    Ich habe in München beste Erfahrungen gemacht, sollen die es auch weiter machen.

    Ich wünsche Dir weiter alles Gute.
    Liebe Grüße
    Thea

    • hallo Thea, ja der Aufenthalt in DER Klinik war abenteuerlich. Das Ergebnis der Chirurgin und die Nachversorgung bei ihr IN ihrer Praxis über jeden Zweifel erhaben…aber Asklepios?Never again!

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