Adios Stade?

Adios Stade?

Hallo meine Lieben,

Nach dem Hoch kommt auch immer ein Tief – es war immer so und wird immer so sein. Dieses Wochenende sind so viele Dinge zusammengekommen, dass ich mich erst einmal überfordert verkriechen musste.

Nicht, dass die familiären Sorgen der letzten Wochen schon genug explosives Potential geboten hätten, schleppte ich mich seit Donnerstag mit den Vorboten einer fiesen Erkältung rum. Während ich noch letzte Woche meine Mitschüler belächelt habe und dachte „wie kann man hier nur auch nur einen Tag verpassen?“, bin ich jetzt richtig krank. Ich habe Fieber, gefühlt 10 Packungen Taschentücher verbraucht und fühle mich generell wie ein Häuflein elend.

Aber wie das so ist, ist nur eine Erkältung allein nicht ausreichend. Damit könnte ich ja umgehen. Viel schlimmer sind die neuen lebensverändernden Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen auf mein Befinden.

Grundsätzlich habe ich derzeit alles was sich ein mensch nur wünschen kann – Freunde, ein Job der (noch) mächtig Spaß macht und ein Dach über dem Kopf…Moment mal…? Sagte ich gerade Dach über dem Kopf? Ich fürchte die Aussage muss ich über kurz..oder..äh..kurz revidieren.

Meine leider nur sehr kurze Zeit in Stade neigt sich schon wieder dem Ende zu. Ich wünsche mir nichts mehr, als endlich zur Ruhe zu kommen. Meine Firmenpleite und das Tohuwabohu der letzten 2,5 Jahre haben Spuren hinterlassen und ich hatte gehofft mich wenigstens während meiner Umschulung etwas berappeln zu können….aber das war wohl nichts 🙁

Ich wohne in Stade in einer WG mit meiner besten Freundin, dem Menschen der mich am besten kennt…und am besten weiß, wie er mich zur Weißglut bringen kann. Leider beruht das auf Gegenseitigkeit und die letzten Wochen waren eine Zerreißprobe für alle Beteiligten.

So gut es mir auch mit der Umschulung geht – ich blühe dort auf, habe nette Menschen echt lieb gewonnen – so sehr habe ich mit alten Wunden zu kämpfen und verhalte mich anderen..ja mir SEHR NAHE STEHENDEN Menschen gegenüber manchmal extrem unfair. Mir wird Egoismus und Selbstsucht vorgeworfen…und ich kann das zu einem großen Teil auch gar nicht abstreiten….aber ich war die letzten zwei Jahre quasi NICHT existent! Ich beginne gerade wieder zu leben…und teilweise NEHME ich mir was ich jetzt brauche. Tun wir das nicht alle? Ist eine gesunde Portion Egoismus nicht normal? Ja…aber was IST normal? Das ist natürlich die Frage. Das mögen zwei Personen ganz unterschiedlich auffassen.

Wie gesagt, ich war die letzten Jahre quasi nicht existent. Ich habe nur in meinen eigenen vier Wänden gelebt und mich von Netflix und Tiefkühlpizza ernährt…und jetzt habe ich plötzlich wieder ein Leben. Quasi von jetzt auf gleich. Wie ein Fisch der vom Aquarium ins Meer geworfen wird. Erst war es unheimlich, aber dann habe ich angefangen, die Freiheit (wieder) lieben zu lernen.

Noch vor einem halben Jahr hatte ich Angst das Haus zu verlassen. Eine Bahnfahrt stellte eine riesen Hürde für mich da. Der Kontakt zu fremden Menschen war ein riesen Hindernis (obwohl ich damit immer noch meine Probleme habe). Und das Schlimmste von allen…ich fühlte mich allein…wertlos…und abstoßend. Ein unliebenswertes Ding, das auf allen Ebenen versagt hat. Jedenfalls war das im Grunde genommen das Credo und der Kern meiner Depression. Gar nicht so lange her, was?

Jetzt bin ich quasi über Nacht in ein völlig neues Leben geworfen worden…und entwickle mich meiner Meinung nach eigentlich ganz prächtig…aber was man nicht vergessen darf…ich hatte kaum Zeit, um mich zu akklimatisieren. Dadurch stehe ich unter einem enormen inneren Druck und erwische mich dabei, wie ich bereits jetzt anfange wieder in alte Verhaltensweisen zu rutschen.

Grundsätzlich geht es mir derzeit absolut blendend…doch mein Inneres droht wie nordkorreanische Atombombe hoch zugehen. Ich bin zwar inzwischen emotional wieder so weit gefestigt, dass ich mit dem Druck wieder umgehen kann…aber dann sind da Wochenenden wie dieses, die mir mein Leben echt schwer machen.

Ich habe einen wunderbaren Menschen gefunden, der mich so nimmt wie ich bin. Der mit mir Zeit verbringen will. Mit dem ich mich endlich 100% als Frau fühlen und ausleben kann. Leider ist da eine nicht ganz unerhebliche räumliche Distanz…und dann auch noch das Leben, was ein regelmäßiges Treffen echt schwer macht. Und dann sind da noch meine Aussetzer, wenn mir alles zu viel wird und ich mich in mein Schneckenhaus verkrieche und ich nicht mal eine zweite, oder dritte Sonne an der US Westküste mitkriegen würde.

Jedenfalls ist es so, dass ich mich auf ein schönes Wochenende mit meinem Schatz gefreut hatte und dann alles anders kam. Aus einer Hilfestellung wurde am Donnerstag eine absolute Grundsatzdiskussion…in deren Folge meine Bereitschaft zum Zusammenleben…auch mit dem Kind hinterfragt wurde. Dem Kind, dem ich mein Verweilen auf diesem Planeten verdanke.

In Folge dessen wurden schon länger schwelende Gedanken zum Thema WG-Auflösung in den Raum geworfen, wodurch trotz aller sich daraus in Zukunft bietenden Möglichkeiten, eine Welt für mich zusammengebrochen ist. Ich habe schon einmal meine Ehe vergeigt…und jetzt drohe ich den Rest dessen zu verlieren, was bei mir als Familie durchgeht – meine beste Freundin und die Kleine. Auch wenn der Schritt über kurz oder lang unausweichlich schien, hat mir die akute Ankündigung den Boden der Realität unter den Füßen weggezogen und mich mental in den freien Fall befördert.

Dieser Streit hat dafür gesorgt, dass sich nicht nur die Erkältung ordentlich festsetzen konnte, sondern auch die seit Donnerstag latent schlummernde Migräne richtig ausbreiten konnte und ich Freitag nur am brechen war. Die Folge war, dass ich mich mal wieder verkapselt habe, wie ein Granatsplitter nahe eines Ventrikels und alle Menschen vor den Kopf gestossen habe, die mich dieses WE erwartet haben…aber ich konnte einfach nicht. Ich konnte keinen Menschen ertragen…und habe den Kopf in den Sand gesteckt, weil ich mich sonst hätte erklären müssen.

Und was hat mir dieser Rückzug gebracht? Nichts ausser noch mehr Kummer. Ich habe nur gebrübelt, was ich verliere. Was ich ohne die Kleine anfangen soll….was mich wieder zu meinem ganz eigenen Kinderwunsch geführt hat. Einem Kind, das ich nie austragen werde, weil es biologisch fucking unmöglich ist! Und da ist sie wieder…die Downward Spiral…der ich seit Beginn der Umschulung entkommen zu sein glaubte. Die Spirale der Infragestellung. ….der Hass auf einen unvollkommenen Körper, der nicht mal ein Kind zur Welt bringen kann, der nicht mal als weiblich erkannt wird (so die depressive Stimme zumindest).

Werde ich mich morgen hoch quälen und zur Arbeit gehen? Ich denke schon…aber die Migräne und die Erkältung gemeinsam machen mir echt zu schaffen…und dann kann ich mich hoffentlich auch bei allen Entschuldigen, die ich dieses WE enttäuscht habe.

Es fühlt sich einfach gerade wieder mal so an, als würde alles um mich herum zusammenbrechen…..

 

 

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Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

4 Kommentare

  1. Ja, Michael Ende.
    Der Hat eine Menge Wahres geschrieben.
    Und ist auch mir immer wieder eine Hilfe in der Melancholie und Depressission, weil er vieles geschrieben hat, was aus genau diesem Gefühl entspringt.
    Und so kann ich dir auch nichts weiter sagen als: ja, dieser unser Körper wird NIE ein Kind erzeugen können.
    Unser sehnlichster Wunsch, das, was die Vollendung unseres Selbtbildes als einer Fau bedeuten würde, werden wir nie erleben können.
    Das ist traurig, ohne Frage.
    Da gibt es nichts schön zu reden.
    Doch habe auch ich eine Geschichte, die mir über diesen Kummer hinweghilft:
    http://autismus-kultur.de/autismus/eltern/willkommen-in-holland.html
    Wenn du dir Transsexualität vorstellst als eine Reise, die nach Italien hätte gehen sollen, aber nach Holland gegangen ist, entspricht das dem Gefühl, wie ich es empfinde.
    Es ist kein schlimmes, krankheitsverseuchtes Land, in dem wir gelandet sind.
    Hollad hat sogar Windmühlen und Rembrandt und van Gogh.
    Aber stets werden andere davon erzählen, dass sie nach Italien reisen wollen oder wie schön es dort war, und stets werde ich denken: ja, Italien, dahin hätte meine Reise auch gehen sollen.
    Ist sie aber nicht.
    https://youtu.be/FSaQAUP9jPg
    So ist die Reise – ohne Rückkehr, und doch voller Hoffnung.
    Liebe Mila, ich wünsche dir, dass deine Hoffnung niemals stirbt.
    Denn die Hoffnung ist eine derjenigen, die ewig bestehen werden: Liebe, Glaube und Hoffnung.
    Die Größte unter ihnen aber ist die Liebe.
    Mögest du sie finden.

    GLG

    Isi

    • Wow…de vergleich mit der Reise ist ja toll…wenn ich das so betrachte, macht es die Sache tatsächlich etwas einfacher. Vielen Dank dafür!

  2. Hey Süße
    Ich habe gerade deinen Beitrag gelesen. Ich hoffe, dass es dir inzwischen wieder etwas besser geht. Lass dich nicht hängen. Es gibt im Leben immer Hochs und Tiefs und es gibt auch für vieles Lösungen. Manchmal hilft es, wenn man nicht zu weit in die Zukunft blickt, sondern einen Schritt nach dem anderen geht und im Jetzt lebt. Oftmals macht man sich Pläne und dann kommt es doch ganz anders.

    Kennst du das Buch „Momo“ von Michael Ende? Beppo der Straßenkehrer sagt an einer Stelle etwas, dass mir im Leben schon oft weitergeholfen hat. Man soll immer einen Schritt nach dem anderen gehen und er vergleicht es mit dem Fegen einer langen Straße. Man sieht diese unendlich lang scheinende Straße und denkt sich, dass man das nie schaffen wird. Man blickt auf das Ende und hat das Gefühl einfach nicht voran zu kommen. Man eilt sich und fühlt sich gehetzt und doch kommt man nicht ans Ziel. So darf man es aber nicht angehen. Man soll immer nur einen Schritt nach dem anderen gehen und seinen Besenstrich machen und dann wieder weiter. Immer nur der nächste Schritt, der nächste Besenstrich. Und am Ende dreht man sich um und sieht, dass man die ganze Straße gefegt hat, die vorher so unendlich lang erschien. Und man fühlt sich gut, nicht gehetzt und so macht die Arbeit Freude. (frei aus dem Kopf nacherzählt nach „Momo“ von Michael Ende)

    Mir hat diese Ansicht schon oft geholfen und vielleicht hilft es dir ja auch. Du gehst deinen Weg und dabei solltest du nicht zu sehr darüber grübeln, was in der Zukunft ist, sondern mehr im Jetzt leben. Genieße den Augenblick und verschwende deine Zeit nicht mit zuvielen Gedanken an die Zukunft. Du hast schon so viel geschafft und so viel geleistet. Du hast große Entscheidungen getroffen, die sicher auch nicht einfach waren. Du gehst deinen Weg und nach und nach wird sich zeigen, was die Zukunft für dich bereithält.

    Fühl dich ganz lieb gedrückt und pass auf dich auf.

    Viele liebe Grüße,
    Melanie =^_^=

    • Hallo Melanie,
      vielen Dank für deine Anteilnahme. Natürlich kenne ich Momo und ich habe eine sehr gute Freundin, die mir auch schon diesen Vergleich aufgezeigt hat – was für ein ZUfall 🙂 Auf jeden Fall ist ZEIT das wichtigste im Leben…
      und die versuche ich so sinnvoll wie mögllich zu nutzen….und mit so viel Freude wie mir möglich ist.

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