feuer

Der Sinn des Lebens

Lesezeit ca: 5 Minuten

Der Sinn des Lebens

Hallo meine lieben Flauschies,

diesen Post habe ich ursprünglich letzten Mittwoch geschrieben, doch nach mehrmaligen Durchlesen habe ich mich gegen eine Veröffentlichung entschieden. Ich hatte einen beschissenen Tag und habe mich voller Inbrunst in die Abwärtsspirale geschmissen und mich von einem Schwarzen Loch verschlucken lassen…dennoch enthält der Text durchaus lesenswerte Passagen und nach einer kleinen Überarbeitung poste ich ihn jetzt doch noch…mit etwas emotionaler Distanz.

Original Post vom letzten Mittwoch in abgewandelt

Heute ist ein komischer Tag.

Ich hatte schon viele komische Tage, aber dieser hier ist besonders. Es geht um´s Eingemachte….

Was soll das Alles? Warum bin ich hier? Bedeutet Leben = Schmerz?

Mir wird mal wieder meine eigene Sterblichkeit bewusst. Im Prinzip ist das ja nichts besonderes. Ich bin nur ein Mensch unter annähernd 7 Milliarden anderen, und von uns gibt es sowieso zu viele. Dennoch ist da etwas. Die Frage nach mehr. Dem Warum. Ich bin kein gläubiger Mensch. Die Vorstellung eines rauschebärtigen alten Mannes im Himmel widerstrebt mir bis ins Mark. Genauso wenig halte ich von prophetischen Strauchgewächsen, oder auch wenn man eine gewisse gesellige Nuance nicht absprechen kann, von gehörnten Kriegstreibern…

Das Leben ist, was wir daraus machen. Gibt es so etwas wie Schicksal? Vielleicht manchmal? Oder sind das einfach nur schicksalshafte Zufälle? Ich weiß es nicht. Ich masse mir auch nicht an, die Geschicke der Zeit verstehen zu wollen…aber es gibt Momente im Leben – Weggabelungen – die alle zukünftigen Begebenheiten beeinflussen.

In die Zukunft kann ich nicht sehen, aber während ich hier sitze und zu ergründen versuche was gerade JETZT passiert, schweift mein Blick in die Vergangenheit – und ich weiß nicht, ob das gut ist. Denn ich weine. Ich weine wie schon sehr, sehr lange nicht mehr. Nicht weil ich mich alten Dämonen stellen würde. Ich weine, weil damals noch alles (und gleichzeitig nichts) möglich war.

Ich stelle gerade mein gesamtes Leben in Frage.

Warum bin ich hier? Warum ist mein Herz gerade nur zum Bersten mit Schmerz gefüllt? Warum kann ich mich nicht an dem erfreuen, was gewesen ist, oder dem was ich geschafft habe? Warum bin ich so negativ?

Ich habe gerade den schlimmsten Streit seit meinem Coming Out hinter mir. Ich BIN Schuld. Ich HABE einen Fehler gemacht…und falle sofort in mein altes Muster zurück ALLES in Frage zu stellen was ich jemals getan habe.

Ich lebe ein fehlerhaftes Leben…und gerade diese Art des Selbstmitleides treibt mich noch tiefer in die Spirale und entfernt mich mehr und mehr von den Menschen die ich liebe. Die verstehen nicht, was eine depressive Episode ist. Man sieht es mir nicht an. Ich trage keinen Gips…

Ich vergifte nur alles und jeden mit meiner Negativität. Ich kann nicht anders wenn ich so drauf bin. Ich merke es selber. Ich kann aber in dem Moment nicht anders.

Wann bin ich so geworden? Wann war mein Leben IN ORDNUNG? Ich beiße mich jeden Tag aufs Neue durch, in der Hoffnung das es Morgen, oder nächste Woche, oder NÄCHSTES Jahr besser wird!

Mein Blick gleitet zu meiner Kindheit zurück.

Ich habe viel auf meine Eltern geflucht. Ich habe mich über fehlende Liebe beschwert…aber was habe ICH getan? Ich habe mich genauso abgewandt! Ich habe mich selber in die Isolation begeben. Ich rede mir ein, ich hätte es aus Selbstschutz getan, was ja auch wirklich stimmt…aber andererseits ich war zu feige, meinem Versagen in die Augen zu blicken. Ich habe alles enttäuscht was meine Eltern je in mir gesehen haben. Ich habe alles enttäuscht was meine Ehefrau jemals in mir gesehen hat.

Ich habe im WAHRSTEN Sinne den Schwanz eingezogen…und mich wie ein kranker Hund unter einen Strauch zum sterben verkrochen.

Eine fatalistische, wenn nicht fast schon nihilistische Einschätzung – die in dieser Form sicherlich meinem aufgewühltem Gemütszustand geschuldet war. Anm. von mir.

Man erwartet von mir, fröhlich in die Zukunft zu blicken und alles zu erreichen was ich mir wünsche – doch wenn ich ehrlich bin, dann HATTE ich alles – zumindest dachte ich das damals. Selbstständigkeit, Ehe…Kinder? Heere Ziele…doch meine eigenen? Nein….jein. Ich wurde zu Ambitionen angehalten. Mein Vater war ein großer Mann und ich wollte immer so sein wie er, aber ich konnte es nicht. Das war nicht ich…und daran bin ich kaputt gegangen…Ich WOLLTE sein wie er…und konnte es nicht. Das größte Versagen in meinem Leben von allen. Ich wollte meinem Vater gefallen. Ich wollte ihn stolz machen…und konnte es nicht, weil die Biologie bei mir einen Fehler gemacht und ein fehlerhaftes Produkt auf die Welt losgelassen hat. Den Erfolg wollte ich wirklich. Aber unter anderen Umständen.

In meinem Kummer habe ich mich vorhin über unsortierten Papierkram hergemacht, der noch vom vorletzten Umzug übrig war. Dabei sind mir meine Geburtsunterlagen in die Hände gefallen – genauer gesagt mein Impfpass/Mutterpass. Mein Gott, was für ein nostalgisches Gefühl…und wie anders sich die Welt damals noch gedreht hat.

Leider sind die meisten meiner Erinnerungen im Sand der Zeit begraben, aber immer wenn ich an Süd Afrika denke bekomme ich ein wundervoll warmes Gefühl in der Bauchgegend und ich komme nicht umhin, darüber zu sinnieren wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn meine Eltern NICHT kurz nach meinem vierten Geburtstag nach Deutschland zurückgekehrt wären. 

Aber noch spannender war die Tatsache, dass ich nachlesen konnte wo wir damals gewohnt haben und dass es die Adresse sogar noch gibt – Danke liebes Google! Dank dir konnte ich sogar einen Streetview Blick auf unser einstiges Anwesen werfen. Ich komme gerade gar nicht mehr aus dem Weinen raus…ich bin von Nostalgie überwältigt.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich durchaus viele wunderschöne Momente in meiner Kindheit. Oft rede ich schlecht über meine Kindheit…doch die guten Seiten unterschlage ich gerne. Ich habe die Welt gesehen. Ich bin mit meinen Eltern verreist; habe Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Tunesien, Finnland, Norwegen besucht. Ich bin geflogen und mit Fähren gefahren. Wir haben Autoreisen gemacht und in spanischen Kastellen genächtigt. Mit meinem Dad bin ich in die Unterwelt hinabgestiegen und habe den Styx gesucht. Mit meiner Mum habe ich das Super Mario Brettspiel gespielt, während mein Vater beim Bench Rest Wettkampf war – ich erinnere mich nicht mehr an ihre Stimme. Meine Mutter ist kurz nach meinem 16 Geburtstag gestorben.

Das Leben ist eine Aneinanderkettung von Momenten, die unsere Zukunft formen….

Formen sollten…doch wie sieht meine Zukunft aus? Ich Hinterlasse der Welt nichts. Ich habe keinen Abdruck hinterlassen. Mein Handeln ist vergessen…vergessen wie Tränen im Regen. Was bedeutet es zu Leben? Etwas zu schaffen, das Bestand hat. Woran sich Menschen erinnern werden, was sie anfassen können…

Nichts von alledem habe ich geschafft… Ich habe die Stammlinie unterbrochen. Es wird in der Zukunft keine Albrechts mehr geben. Eine Blutlinie die großes hätte schaffen können, da wir nicht blöde sind. Aber es hat sich ausgealbrecht.

Ich habe keine Kinder….keinen ERBEN. In 100 Jahren bin ich eine Fußnote der Geschichte.

Ich habe diesen Haufen Erinnerungen die ich eben aufgezählt habe…doch wem gebe ich eigene mit? Mit wem kann ich mein Leben teilen? Wem helfe ich, selber so wunderschöne Erinnerungen zu ERLEBEN?

Das belastet mich mehr, als ich zuzugeben bereit bin. Ich habe Luna – der kleine Sonnenschein, der einer echten Familie im Moment am nächsten kommt. Ich liebe die Kleine und die kleine liebt mich…aber sie ist nicht meine Tochter. Und ich bin nicht ihre Mutter. Unsere Leben werden sich irgendwann trennen. Spätestens, wenn die Mutter sich neu bindet. Dann ist unsere WG passe´.

In meinem Hinterkopf tickt, wie bei jeder biologischen Frau, die Uhr….mit dem Unterschied, dass ich nicht schwanger werden kann. Das ist das Schlimmste am Dasein als Transgender. Es ist nicht Hipp oder gerade angesagt. Transgender zu sein, bedeutet Schmerz. Jedenfalls für mich. Wo sind die Enkel, die um Oma Milas Füße tollen werden? Wem hinterlasse ich, was ich mit meinem Leben vielleicht noch anfange?

Die kleine Luna ist meine Tochter im Herzen…wird sie irgendwann an ihre Kindheit zurückdenken und ein warmes Gefühl in der Bauchgegend haben. Ich denke schon. So lange ich kann, werde ich für den kleinen Engel mit meiner ganzen Kraft da sein.

Gibt es Hoffnung für mich? Ich denke schon. Ein erster Schritt in eine rosige Zukunft wird mit Sicherheit meine Umschulung…womit ich wieder mal im MORGEN bin…aber so bin ich. Nie im Jetzt…und die Zukunft..schwer zu sehen, in ständiger Bewegung sie ist….

 

 

 

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