Als Transfrau in Hamburg leben

Wie lebt es sich als Transfrau im beschaulichen Hamburg? Hiermit möchte ich euch etwas an meinen Erfahrungen der letzten Monate teilhaben lassen…

Hallo mein lieben Flauschies,
heute möchte ich euch mit auf eine kleine Reise durch Hamburg nehmen und berichten wie ich so in Hamburg angekommen bin und welche Erfahrungen ich bisher so gemacht habe, auch wenn ich tatsächlich gar nicht so viel zu erzählen habe.

Grundsätzlich fühle ich mich in Hamburg inzwischen mehr als zu Hause und frage mich, warum ich nicht schon viel früher hergezogen bin. Ich habe das Gefühl endlich einfach ich selbst sein zu können, ohne komisch angeguckt zu werden.

Natürlich mag daran auch mein Stadtteil nicht ganz unschuldig sein – immerhin wohne ich ja auf der Schanze – und da ist niemand wirklich ganz normal, konform, oder wie immer man das nennen will. Also beste Voraussetzungen, um sich sein Leben als Transfrau – oder Pedanten würden sagen “Frau mit transsexuellen Hintergrund” – neu aufzubauen.

Pubertät 2.0

Ich lebe nach wie vor meine zweite Pubertät in vollen Zügen aus und wüsste keinen besseren Ort, um das zu tun. Hamburg bietet einfach eine unsagbar tolle Infrastruktur – ich kann mir in einer Million Geschäften die Füße wund shoppen und bin noch nie nicht ein einziges Mal schief angeguckt worden. Es ist für mich zur Selbstverständlichkeit geworden, zu C&A, Ney Yorker oder einen der schnuckeligen kleinen Läden auf der Schanze zu gehen. 

Hier kann man zu jeder Zeit dem Hamburger Nachtleben fröhnen…nun…also wenn es Nacht ist zumindest xD, denn in Hamburg ist immer was los. Nur tatsächlich bin ich kein größer Freund von Hamburg beliebtester Partymeile – dem Kiez. Zwar wohne ich da quasi um die Ecke, aber das Klientel gefällt mir nicht und umgekehrt. Ich bin zwar öfters mal da, aber richtig geheuer ist mir das nicht und alleine wäre ich nur ungern unterwegs.

Dafür gibt es in Hamburg aber mehr als genug Alternativen, wie z.B die eher links orientierten Clubs (“Südpol” oder das “Moloch”). Ich mag einfach den spermülligen Schanzencharme dieser Locations…und DORT bin ich nun wirklich noch nie blöd angemacht worden und habe viele schöne Partynächte (und Morgende)…..(ja und Nachmittage) verlebt. Hey! Man ist nur einmal jung! Und hat nur eine zweite Pubertät ^^ Nutzt sie….

Wie werde ich beruflich akzeptiert?

Nun…ich hole mal aus. Als ich mit meiner Transition begonnen habe, war ich selbstständig und hatte ein eigenes kleines Geschäft. Ich war im Handwerk tätig und hatte vorwiegend mit älteren Menschen zu tun. 

Rückblickend betrachtet muss ich ein furchtbarer Anblick gewesen sein – aber das trifft auf ALLE von uns zu, oder? Aber auch da muss ich sagen, dass ich persönlich niemals Opfer einer Anfeindung geworden wäre. Sicherlich hat meine Veränderung nicht jedem gefallen und vielleicht habe ich dadurch sogar ein oder zwei Kunden verloren, aber ich habe niemals den sozialen “Gegenwind” zu spüren bekommen, der so normal zu sein scheint.

Natürlich lief auch bei mir viel falsch – meine Eltern hatten gar kein Verständnis und auch eine Hand voll vermeintlicher Freunde hat mir in Folge dessen den Rücken gekehrt, ABER ich habe sehr viel mehr neue wirklich GUTE Freunde gefunden. Freunde die mich von Anfang an auf meinem Weg begleitet und zu mir gestanden haben…

In meinem beruflichen Umfeld sah die Sache allerdings anders aus. Da habe ich tatsächlich lernen müssen was mobbing bedeutet, was auch der Grund ist weshalb ich den Innungsversammlungen später fern geblieben bin. 

DAS ist heute allerdings ganz anders! Ich arbeite in einem kreativen Umfeld und habe mit jungen und jung gebliebenen Menschen zu tun – und “Kreative” sind ja auch eher Freigeister und leben ja auch irgendwo abseits der Norm. Da kann ich mich überhaupt nicht beklagen.

Und da muss ich auch wieder etwas sagen, was manch eine vielleicht nicht hören mag, ABER “Mich stellt niemand ein, weil ich transsexuell bin…” ist eine Wischiwaschi-Ausrede. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Chef der damit nicht umgehen kann, aber wer partout keinen Job findet, sollte mal bei sich selber gucken woran es liegt. Wenn ich 50 bin, eine Statur wie Bernd der Brummifahrer habe und im Minirock mit Highheels auf dem Bau vorspreche….dann DARF ich einfach nicht heulen “der hat was gegen Transgender…” Keine…und ich wiederhole…KEINE cis-Frau würde so etwas tun. Verpackt euch so gut es geht und versucht nicht etwas darzustellen, was ihr (noch) nicht erreichen könnt. Manchmal ist weniger eben doch mehr…auch wenn ich selber sehr gut weiß, wie leicht es gerade in der Anfangszeit ist, übers Ziel hinaus zu schiessen…

Aber in Hamburg kann eine Transfrau, die charakterlich und mit ihrem Können zu überzeugen weiß auf jeden Fall eine gute Arbeitsstelle finden.

Da Romane selten online gelesen werden, wünsche ich euch einen schönen Abend und bis bald,
                             eure Mila

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Über Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

3 Kommentare

  1. Ich kann nur sagen ich bin 56 noch bei der DB ( Deutsche Bahn) als Rangierbegleiterin untergekommen. verdiene gutes Geld und werde von den meisten Kollegen auch akzeptiert. Sollte es mal Probleme geben mit den einen oder anderen Kollegen, dann habe ich meinen Abt.-Leiter und den BR sowie den Dienststellenleiter, die mir den Rücken stärken. Also es ist so wie Mila es beschrieben hat, jede ist für sich selbst verantwortlich und kann nicht erwarten das die Welt einen mit offenen Armen empfängt. Wir allen müssen sehen, dass wir das Beste aus der Situation machen.

  2. Julia Matuscheck

    Prima, dass es dir gut geht. Und ja, wenn ich jung wäre, würde ich vielleicht ähnliches tun.
    Was Ausgehen und Party angeht, fühle ich mich schon alt. sooo alt.

    Aber das mit dem Job. hm, also die Transsexualität als Grund anzugeben, weshalb man keinen Job bekommt ist natürlich in Frage zu stellen, aber die eigene Schuld daran genauso.
    10 Bewerber, 2 offene Stellen. Die 8 die übrig bleiben, sollen mal an sich selber arbeiten und überlegen, warum sie keine der beiden Stellen bekommen haben. Einfach nur blöd. Da hilft auch kein zehnfaches Bewerbungstraining.

    • Das, liebe Julia, ist auch nicht das was ich sagen wollte – ich habe zuletzt leider immer wieder gelesen wie sich TS beschwert haben sie würden ihrer TS wegen keinen Job bekommen. Das mag in manchen Branchen durchaus so sein; sogar wahrscheinlich…aber dennoch ist das halt keine Allgemeinausrede. Natürlich muss der Markt und das Arbeitsplatzangebot stimmen….aber zumindest in meiner Branche habe ich das Gefühl, das TS absolut Null Probleme bereitet 🙂

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