Meine Reha – etwas über Halbzeit

Meine Reha – etwas über Halbzeit

Hallo meine lieben Flauschies,
Es ist Neujahr und ich nutze den heutigen freien Tag, um endlich mal wieder etwas Bloggerei zu betreiben – das fehlt mir hier so sehr und inzwischen weiß ich, dass das wirklich ein Hobby ist und keine Flucht.

Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, besuche ich derzeit eine Rehaklinik der Deutschen Rentenversicherung – Abteilung Psychosomatik. Wenn ich jetzt sage WO ich gelandet bin, dann könnte man das für einen schlechten Witz halten, aber es ist tatsächlich so. Ich leiste meine Haftstrafe Internierung Entmün…HERRJE…meine gesundheitliche Rehabilitation unter medizinischer Aufsicht in der Fachklinik Aukrug ab – das ist 15 Minuten von meiner alten Wohnung in Neumünster und 10 Minuten von Nienborstel entfernt…quasi meine alte „Hood“ in der ich noch bis August gewohnt habe. Manchmal kommt man von alten Dingen einfach nicht weg…

Wie dem auch sei, habe ich auf Druck meiner Krankenkasse Anraten meines Arztes eine Rehamaßnahme beantragt und nach ewig langen Warten dann auch genehmigt bekommen – dass man sich eigentlich eine Rehaklinik aussuchen kann, wusste ich gar nicht, aber dass Aukrug nicht so ewig weit weg ist hat ja auch seine Vorteile.

Hier bin ich nun

und habe schon drei fünftel meines Aufenthaltes abgerissen – angereist bin ich am 12.12.16 und habe direkt ganze 5 Wochen gewonnen. Das bedeutet, das ich jetzt noch zwei Wochen übrig habe und, zumindest nach Plan, am 16.01.17 endlich wieder nach Hause kann. Theoretisch wäre eine Verlängerung meines Aufenthaltes möglich, aber das möchte ich aus verschiedenen Gründen eher weniger.

???

Jetzt sehe ich natürlich die Fragezeichen in euren Augen…“Hä? Reha? Warum musst du eine Reha machen?“
Ja, das ist sicherlich eine berechtigte Frage, auf die ich aber nur zum Teil eingehen werde. Sagen wir mal so, dass ich bis zu einem bestimmten Grad dazu genötigt wurde, auch wenn ich schon das letzte Jahr über selber mit dem Gedanken gespielt hatte irgendwann mal eine Reha zu machen. Äußere Einflüsse haben diesen Gedankengang dann schlussendlich etwas beschleunigt….aber das war wohl auch ganz gut so.
Wie dem auch sei…nun bin ich hier…in der Psychosomatischen Abteilung.

Was quält mich? Wer mir auf meinem Blog und bei Facebook gefolgt ist, der hat sicherlich mitbekommen, dass ich mein kleines Päckchen zu tragen habe. 2013/14 waren für mich katastrophal und haben mich völlig aus der Bahn geworfen – die Folge waren schlimme Depressionen und Burnout. Ich konnte nicht mehr selbst für mich sorgen und war froh bei meiner Ex und ihrem Mann unterzukommen…deren Tochter war die beste, und wie ich vermute, einzige Medizin die mich am Leben erhalten hat. Mein Leben ist komplett und in wirklich ALLEN Bereichen in die Brüche gegangen und das habe ich bis zum heutigen Tage nicht verarbeitet.
Anfang 2015 habe ich versucht wieder eine eigene Wohnung zu beziehen, aber zu allem Überfluss habe ich dann auch noch eine Angstpsychose entwickelt, die mir das alleinige Einkaufen nicht gerade einfacher macht – wenn das kaufen von Toastbrot schon mit einer Panikatacke einher geht, dann stimm definitiv etwas nicht in der Birne, aber so ist es halt. Mal mehr und mal weniger.
Dazu das quasi nicht vorhandene Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl. Ich habe im Leben einfach nichts mehr vorzuweisen…
Daraus hat sich eine wundervolle Sozialphobie entwickelt…verstärkt durch den Selbsthass auf die eigene Stimme…
Ihr seht…ich bin ein rundherum glückseeliger Mensch…

Aukrug

Nun bin ich also hier und habe noch während der Anreise schreckliche Angst und Panik gehabt. Ich komme mit unbekannten Situationen nur noch schwer klar – das war mal anders und ich erinnere mich an mein altes vor Energie strotzendes Selbst. Ich wäre gerne wie früher, aber ich weiß nicht wie. Ich traue mir selber nichts mehr zu.

Ich bin also am Montag den 12.12 frisch und munter angereist – vielen lieben Dank an mein liebes Taxi, das Mausmobil und meinen Kofferträger Marius. Ihr wart so ruhig und geduldig mit mir, während ich nur unruhig und panisch war. Ich hatte mir ja schon wieder sonst was vorgestellt, aber die Aufnahme war völlig „ruhig…und entspannt“…
Chrissi hatte sogar noch die Zeit gefunden mein Zimmer etwas weihnachtlich herzurichten – Mit Fensterbildern, Kranz und Lichterkette.
Nach angemessener Verabschiedung hiess es erst einmal Zeit totschlagen und auf das ärztliche Erstgespräch warten. Einmal mehr hatte ich Zeit mir mental an den Kopf zu fassen und meine krass roten Haare zu verfluchen – ich bin ja eigentlich ein extrem unauffälliger Mensch…

Das Arztgespräch verlief dann aber ganz ruhig…man hat sich meine Geschichte nochmal angehört und mich dann nach körperlichen Einschränkungen gefragt – die ich derzeit aber zum Glück nicht habe. Entsprechend dessen habe ich dann später auch einen Wochenplan bekommen der mich quasi zu „alles“ verdonnert ^^

Am Abend wurde dann eine Führung durch das Gebäude organisiert – für Neuankömmlinge ein wirklich labyrinthisches Monster aus den 20er jahren des letzten Jahrhunderts. Im Keller klingen quasi noch die Schreie der Elektroschockpatienten der Vorkriegszeit nach 😉

Meine größte Angst war, so würde ich jetzt vermuten, meine Sozialphobie und gleichzeitig die Angst die ganzen 5 Wochen allein und isoliert zu sein. Wie gut, dass ich meine Quietschhaare hab – ich wurde so oft auf meine Haare angesprochen…das war schon cool. Ich bin ja eh schon durch meine Größe ein Hingucker…mit den Haaren quasi ein Leuchtturm…aber DAS tut meinem Selbstbewusstsein unheimlich gut. Ich lerne endlich wieder den Blicken anderer Leute stand zu halten…und mich dabei auch noch wohl zu fühlen. Nur die Stimme…die Stimme, das leidige Thema
Die ersten Tage saß ich zwar immer allein, scheu wie ich bin, aber irgendwie geschah es dann, dass ich durch ein Gespräch im Fahrstuhl dazu kam mich zu einem kleinen Grüppchen beim Abendbrot dazuzusetzen…

Das war das Beste was mir hier passieren konnte

Meine kleine Clique bzw. der Coole Tisch…
Barbara, Britta und Christian…die drei sind spitze. Wir haben alle unsere Probleme, aber wir sind eine tolle Gruppe. Zusammen können wir lachen. Wir verteiben uns die Zeit beim „Mensch ärger dich nicht“ spielen…und wir können zusammen über den Nörgler mit dem kaputten Ärmeln lachen. Lästern macht spaß…wie Weiber das eben so machen.
Toll wie ich angenommen und akzeptiert werde…mit ALL meinen Fehlern und meiner Geschichte (über die ich nicht mal hier auf dem Blog schreibe, weil es mir so weh tut).
Lass die Einrichtung und das Programm sein, wie es ist, aber diese Leute machen die Zeit hier zu etwas Besonderen – sie zeigen mir, dass ich da draussen SEIN kann. Das ich eventuell doch ein annähernd normales Leben führen kann…
Allein in dieser Hinsicht ist die Reha ein voller Erfolg. Ich habe wieder Zuversicht…
An meinen Ängsten kann sich in der Zeit natürlich nichts ändern, aber in der Gruppe ist alles so viel einfacher.

Das Programm

ist relativ breit gemischt, obwohl ich mir den psychologischen Anteil aber wirklich häufiger wünschen würde. Der Wochenplan enthält wirklich alles was das Programm hier zu bieten hat – Radfahren, Muckibude, Schwimmbad, Nordic Walking, Qi Gong, Autogenes Training, Ernährungsberatung….und auf der Psychoseite: einmal in der Woche eine Einzeltherapiestunde, zwei Gruppensitzungen, Ergotherapie (therapeutisches Basteln) und Psychosport. Das macht zwar alles schon irgendwie Spaß, geht aber ein wenig an meiner Problematik vorbei, auch wenn es ein wirklich gutes Gefühl ist, sich nach zwei Jahren Depression und Sofa wieder um den eigenen Körper zu kümmern und etwas Sport zu treiben…(ich kann wieder eine Treppe steigen OHNE gleich zu prusten).

Das Essen hier

schwankt zwischen kantinenmäßig gut bis furchtbar. Ich meine ich weiß, dass ich hier nicht in einem Luxushotel bin, aber zumindest mal eine gewisse Obstauswahl oder ein Saft zum Essen ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, oder?

Wie geht es mir nach 3 Wochen?

Um ehrlich zu sein, bin ich sehr ambivalent was das angeht. Einerseits habe ich das Gefühl, dass mir die Reha unglaublich gut tut – ich habe einen festen Tagesrhytmus und liebe Menschen auf die ich mich freue, aber andererseits leide ich besonders heute massiv unter Lagerkoller und möchte so schnell wie möglich nach Hause.
Ich habe schon die ganze schöne Vorweihnachtszeit verpasst, was insbesondere deshalb so schlimm und ärgerlich für mich war, weil ich schon letztes Jahr OP-bedingt nicht viel von Weihnachten hatte. Ich war zwar für die Feiertage selbst zu Hause, aber da habe ich leider viel Kummer und Ärger mitgenommen und habe viel kaputt gemacht (darüber ärgere ich mich am meisten).
Ebenso war ich jetzt an Sylvester hier und habe dadurch einen schönen Jahresausklang mit meiner Familie verpasst. Überhaupt habe ich einfach das Gefühl zu Hause alles zu verpassen was so vor sich geht…
Aus diesem Grund bin ich heute auch ganz, ganz nah am wasser gebaut und habe heute morgen schon wieder einen massiven Heulkrampf hinter mir. Mir ist mal wieder bewusst geworden wie allein ich mich eigentlich fühle…und wie sinnlos das letzte Jahr eigentlich wahr – dass ich nichts vorzuweisen habe. Ich habe einen erneuten Antrag für eine Umschulung gestellt…aber ob das noch rechtzeitig was wird steht in den Sternen, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.

 

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Admina und Herrin dieser Seite,
34 jährige Hobbyfotografin…Möchtegernmodel…und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

3 Kommentare

  1. Hallo….meine Liebe…
    Hiermit möchte ich Dir ein frohes neues Jahr wünschen…
    und halte die Ohren steif…ich war auch schon in so einer Reha und hatte furchtbares Heimweh, aber es hat mir auch gut getan!! Das war 2010 und jetzt, wenn ich so von Deinen Erlebnissen lese, überlege ich mir ob es für mich nicht auch mal wieder besser wäre so eine Reha zu beantragen…ich dacht die letzten 3-4 Jahre ich schaffe es alleine bzw. mit hilfe der Familie und den Medikamenten
    und habe mich immer wieder so im Leben durchgemogelt…aber in den letzten Monaten wird mir immer klarer, das ich mit meiner Panikstörung, die ich schon seit 1998 habe und die mal mehr, mal weniger schlimm ist einfach nicht zurechtkomme…
    (Einsicht ist der beste Weg zur Besserung)…mein Leben steht Kopf und die Veränderungen mit denen ich klar kommen muss…fressen mich langsam auf…
    Du siehst….Du bist nicht alleine 🙂 Ich fühle mit Dir und wünsche Dir viel …viel Kraft!! Fühl Dich lieb geknuddelt!

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