Meine Transition (Juli 2017)

Meine Transition (Juli 2017)

Hallo meine lieben Flauschies,

es ist einige Monde her, seit ich das letzte Mal ein direktes Transthema angesprochen habe. Das hatte auch seine berechtigten Gründe, da ich das Transthema gerne immer weiter im Hintergrund versinken lassen möchte. Das mir das im Alltag nicht so gut gelingt, ist die eine Sache, aber Online möchte ich da nicht mehr mit jedem neuen Post drauf herum reiten – da gibt es andere Themen, wie z.B. meine vermaledeite Jobsuche, um euch auf den Sack zu gehen ^^

Heute Abend aber ist mir danach, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Meine Geschlechtsangleichende Operation ist inzwischen auch schon fast zwei Jahre her. Wenn das kein Grund ist, das Ding mal wieder auszupacken – Gott was bin ich bloß Geschickt mit Worten XD

Wie hat sich mein Leben durch die Operation verändert?

Hat es sich verändert? Ich weiß noch ganz genau, wie ich damals dem Tag entgegengefiebert habe, um endlich meinen Antrag für die Kostenübernahme abzuschicken. Wie ich jeden Tag gezittert habe und dem Postboten auflauerte. Wie ich fast ohnmächtig geworden bin, als ich den Brief endlich in Händen hielt.

Heute will mir die Zeit vor der OP fast surreal erscheinen. Ich weiß, dass ich eine ganze Weile eine Frau mit Pullermann war, aber ich kann mich kaum noch daran erinnern. Ist wirklich so. Inzwischen fühle ich mich körperlich endlich rundum wohl – wenn ich mal von meinen Wohlstandpfunden absehe.

Die OP war kein Zuckerschlecken. Ich habe viel geweint und mich mehrmals gefragt, warum ich den Scheiß überhaupt noch mitmache, aber im Endeffekt hat sich alles gelohnt. Ich mag meinen Körper inzwischen und manchmal achte ich sogar auf ihn…manchmal auch nicht, aber das soll gar nicht Thema an dieser Stelle sein.

Wie gesagt, die OP war nicht einfach und leider war es auch mit der zweiten OP nicht getan, die eigentlich nur noch für den optischen Feinschliff hätte sein sollen. Die erste OP hatte mir leider ein kleines Special hinterlassen – eine Vernarbung in der Harnröhre, die in Kombination mit einer angeborenen Verengung direkt am Blasenausgang, zu einer unschönen chronischen Harnwegsinfektion führte.

Ich weiß nicht wie viele Tabletten Antibiotika ich letztes Jahr gefuttert habe, aber so vier oder fünf Harnwegsinfekte mit dem vollen Programm habe ich wohl gehabt. Das wünscht man seinem ärgsten zweitärgsten drittärgsten Feind nicht. Das brennt, sifft und riecht einfach nur eklig. Also musste ich Anfang des Jahres noch ein letztes Mal unters Messer – aber toi toi toi, bisher ist alles in bester Ordnung und fühlt sich an, als wäre es da unten nie anders gewesen.

Wie lebt es sich mit Mumu?

Die mit Abstand häufigste Frage, die ich zu hören bekomme, ist die, ob das da unten wirklich wie eine Bio-Mumu aussehen würde. Die Antwort auf diese Frage fällt mir etwas schwer, da ich in meinem Leben nicht soooo viele davon in freier Wildbahn gesehen habe, um mir da ein qualifiziertes Urteil erlauben zu können. Sieht sie echt aus? Ich denke schon. Ist sie hübsch? *eisiges Schweigen* ich hätte nun gesagt, dass es wohl schönere gibt, aber die handvoll Personen…ok, handvoll nach Sägewerksunfall Personen, waren durchaus von meinem Ergebnis angetan…aber man selber ist ja auch immer am kritischten. Wie immer….

Funktioniert die denn auch?

Alsoooo….zuerst einmal muss ich euch ja etwas gestehen. Wegen der elenden Entzündungen, habe ich fast das ganze letzte Jahr nicht einmal bougiert!!!! Das war alles nur wund und gereiz und hat allgemein keinen Spaß gemacht. Die ganze Geschichte hat nicht wirklich geholfen, eine Beziehung zu meinem neuen Organ aufzubauen, doch die letzten 5-6 Wochen hatten es in sich ^^
Endlich habe ich das bougieren wieder angefangen – nach fast einem Jahr Pause. Und ich hatte echt Bammel. Ich habe mit Narbenschrumpfung und Tiefenverlust gerechnet – man hört und liest ja so einiges. Also habe ich endlich wieder mein Bougierset ausgemettet ausgemottet und mich mit viel Geduld und Spucke an die Arbeit gemacht.
Angefangen habe ich mit dem 3er Vagiwell, der ja so ungefähr einem Frauenfinger entspricht…und SCHWUPP…nanü? Wo isser hin? Das liess ja schon  mal hoffen….
Im Laufe der Zeit habe ich den 4er bearbeitet und hatte heute Morgen endlich den Durchbruch mit dem 5er! YIE HAW! Und wisst ihr was? Bis zum Anschlag! Bougierpausen sind kein Weltuntergang.

Da ist doch was im Busch? Von allein machst du dir doch nicht die Arbeit? Ich kenn mich doch!

JAHAA! Vielleicht ist da tatsächlich was im Busch…in MEINEM Busch, um genau zu sein. Seit das da unten endlich abgeheilt ist, merke ich, dass ich auch eine Frau mit Bedürfnissen bin. Ok, genaugenommen bin ich dauerrallig. Ein Zustand, den ich so seit Pre-Androcurtagen nicht mehr kannte. Allerdings fühlt es sich diesmal ausgesprochen gut an…und das da Jemand ist, der mich so mag ich wie ich bin…mit meiner Vergangenheit…das erfüllt mein Herz mit Wärme. Gleichzeitig habe ich eine Heidenangst. Ich habe mich zwei Jahre eingebunkert und jetzt kratzt da jemand an meinem Bunkereingang….und es fühlt sich alles so richtig an! Die Strapazen…die OPs….endlich führe ich das Leben, das mir die Natur verwehrt hat. Es fühlt sich einfach alles soooo stimmig an! Und ja…ich muss hier nicht um den heissen Brei herumreden…zu meinem neuen Leben soll eben auch Sex gehören. Penetrativer Sex. So! Da habt ihr es….

Und sonst so?

Und sonst so, habe ich es mehrfach versucht meine Krankenkasse von der Notwendigkeit zu überzeugen, etwas gegen mein Schwarzenegger-Kinn zu unternehmen….leider mit nur wenig bis gar keinem Erfolg. Ich hab das Spiel bis zum zweiten schriftlichen Einspruch getrieben, aber vor Gericht wollte ich dann eben doch nicht ziehen. 1:0 für die Krankenkasse.

Parallel dazu wollte ich gerne eine Stimmenanalyse in der Stimmenklinik in Hamburg durchführen lassen. Leider handelt es sich bei dem Spaß um eine lustige kleine Privatklinik, die NICHT mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnet. Auch hier habe ich versucht, meine Krankenversicherung von der Notwendigkeit einer Untersuchung zu überzeugen, um mir eine Einzelfallgenehmigung der Kostenerstattung auszusprechen….nun was soll ich sagen: Krankenkasse 2:0

Was solls…mein jetziges Ist-Zustand ist ja gar nicht mal so übel. Weiteres Körpertuning fällt aus, weil wegen ist nicht. Das ist zwar schon dezent frustend, aber war ja auch zu erwarten und niemals als fest gegeben eingeplant.

Weiterhin habe ich eine ganz, ganz tolle Gynokologin hier in Stade gefunden, die mir bei allen Problemen mit Rat und Tat zur Seite steht. Bluttest? Die telefoniert erst einmal herum, um in Erfahrung zu bringen was für TS denn alles wichtig ist! Super *Daumen hoch* Ich frage, ob es eine Alternative zu Tabletten und Gel gibt – sie schlägt sofort Lenzetto vor und telefoniert wieder rum, wie denn so die Erfahrungswerte bei TS sind. Ich bin begeistert! Und Fun Fact am Rande: Meine Gyn hatte zusammen mit Fr. Dr. Riechardt eine Assistenzarztstelle….die kennen sich quasi aus dem Studium ^^

Ja, soviel erst einmal wieder zum Thema TS – ganz los komme ich davon ja nicht ^^

Bis Bald!

 

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Über uns Mila

Admina und Herrin dieser Seite, 34 jährige Hobbyfotografin...Möchtegernmodel...und ganz bewanderte Küchenfee. Meisterin des Wortes und allgemein recht pflegeleicht.

2 Kommentare

  1. Liebe Mila,
    Bzgl. Stimmanalyse habe ich mit Frau Dr. Rohlfs (HNO Klosterstern, Eppendorfer Baum 3, HH) beste Erfahrungen gemacht.
    Liebe Grüße
    Thea

    • Hallo 🙂 bei Fr. Dr. Rohlfs war ich ganz ursprünglich bevor ich mit Logopädie angefangen hatte… ganz ehrlich? Die Praxis hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm!!! Natürlich kann ich da auch hin… *ich fühl mich gerade echt schusselig und verpeilt* Da mach ich Montag direkt einen Termin! Danke für den Gedankenanstoss!

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